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„Aufklärung ist der erste Schritt zur Veränderung“ (Zitat von Insa)

Die 9b auf konsumkritischem Stadtrundgang mit dem Weltladen Lübeck

Die Sonne lugte gerade erst seit ein paar Stunden über den Horizont, doch vor dem Weltladen tummelten sich die Fahrräder schon in dritter Reihe und fröhliches Getuschel erhob sich. Da kamen die beiden Tourleiter aus dem Weltladen, stellten sich als Insa und Bjarne vor und führten in das Thema des Ausflugs ein: Globalisierung und Konsumkritik.


Die Produktionsschritte einer Jeans

Die erste Station Textilien übernahm Insa, das Herumführen beim Stadtrundgang gehört zu ihren Aufgaben im Freiwilligen Ökologischen Jahr. Als Beispiel diente die Jeans. Zuerst fragten wir uns, wo eine Jeans eigentlich herkommt und wie viel sie warum kostet. Wir kamen zu dem Schluss, dass Jeans meistens aus weniger industrialisierten Ländern in Asien kommen, weil die Produktion dort weniger kostet. Und sie kostet insgesamt so viel, da es viele Produktionsschritte gibt und alle Beteiligten Geld bekommen müssen. Danach sortierten wir gemeinsam die Produktionsschritte in die richtige Reihenfolge. Das begann beim Anbau und der Ernte der Baumwolle in Kasachstan oder Indien, ging über das Weben der Stoffe in Polen mit deutschen Maschinen bis zum Second-Hand-Verkauf oder Verschenken in Kamerun. Bei dieser Weltreise der Jeans gibt es aber auch viele Probleme, wie die durch Wetter zerstörte Ernte, aber das größte Problem sind die Arbeitsbedingungen! Am häufigsten kriegen Frauen Niedriglöhne in etwa 15 Cent pro Jeans. In solchen Ländern haben Frauen weniger Rechte und keinen Zugang zu Bildung, dadurch haben sie keine Möglichkeit, sich den Job auszusuchen oder zu streiken. Jedoch kriegen die Designer am meisten Geld. Problematisch ist auch, dass genmanipulierte Pflanzen eingesetzt werden, die gegen bestimmte Schädlinge resistent sind. Aber dadurch werden auch andere Pflanzen verdrängt. Man kann jedoch helfen, indem man die Kleidung der älteren Geschwister aufträgt oder auch Bio- und Fairtrade-Produkte kauft.


Die Reise eines Handys

Als nächstes war die Station „Informationstechnologie“ an der Reihe. Die stellte uns Bjarne, Student in Entrepeneurship in digitalen Technologien, vor. Sein Handy wanderte während der simulierten Handy-Produktion auf der Weltkarte umher. Der dreiköpfige Vorstand in diesem Rollenspiel schaute dabei nur auf seinen Profit. Die afrikanischen Minenarbeiter, meist Kinder, mussten ohne Sicherheitsmaßnahmen die Rohstoffe sammeln. Am wenigsten Geld bekamen jedoch die Arbeiter in der Endproduktion in Asien. Das konnten keine Maschinen machen, da für jedes Modell eine neue benötigt würde, die Modelle aber schon lange veraltet wären, bevor sich die Maschinen rentierten. Im Spiel wurde nachvollzogen, dass die Arbeiter mit den giftigen Plastikdämpfen leben müssen. Anschließend wurden die Handys nach Deutschland verschifft. Dort saß der Vorstand, der für das Marketing sorgte und 75-80% des Umsatzes bekam. Alle Verbesserungsvorschläge liefen darauf hinaus, dass dieser weniger Geld bekäme, was er in unserer Simulation ablehnte und so blieb alles, wie es war. Viele werfen ihr Handy nach kurzer Zeit weg, meistens noch nicht einmal zum Recycling. Dann werden die Handys oft illegal und umweltschädlich abgelagert. Beim Recycling dagegen wird das Handy zerlegt und die wertvollen Erden und Metalle wiederverwendet. Es wäre zusätzlich auch besser, das Handy länger zu benutzen.


 Christopher, Jonathan und Finn in der Rolle von Umweltschützern

Bei der letzten Station ging es um Fleisch am Beispiel von Burgern und wurde wieder von Insa durchgeführt. In Gruppen scharten wir uns um Burgerschachteln mit Infos zu Beteiligten der Fleischproduktion in deren Perspektiven wir uns hineinversetzt haben. Am Ende versuchte man sich zu einigen. Die Umweltschützer waren gegen die Großbauern in Brasilen. Denn diese bauten Soja als Tierfuttermittel an, holzten dabei immer mehr Regenwald ab und schadeten der Umwelt mit Pestiziden. Die Großbauern aber wollten ihre Produktionsmethoden nicht ändern, da sie dann weniger Geld verdienen würden. Die Kleinbauern in Brasilien waren ebenfalls gegen sie, denn sie stahlen das Land und verdrängten sie. Weniger Fleisch war auch keine Option, denn der Konsument wollte sich nicht einschränken, obwohl der Fleischkonsum in Deutschland mit durchschnittlich 90 kg/Jahr weit über dem globalen Durchschnitt liegt. Im Rollenspiel kam es zwar zu keiner Einigung, aber uns wurde bewusst welche wichtige Rolle der Konsument spielt und, dass dieser durch eine Verringerung des Fleischkonsums oder den Kauf fair gehandelter Produkte auf die Produktionsbedingungen Einfluss nehmen kann.


Verkostung im Weltladen Lübeck

Am Ende gab es im Weltladen noch eine kleine Stärkung, Fairtrade natürlich; Maniok-Chips aus Indonesien und Schokolade mit Salz und Espressobohnen, dazu ein wenig Multifruchtsaft und noch ein paar Tipps zum Weltladen. Sowohl die Qualität als auch der Geschmack der fair gehandelten Produkte haben uns überzeugt.

Katharina, 9b
24.03.2015

Fotos: © Anne Marie Spahn

 
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