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„We don`t want to be big, we want to be great!“
Unternehmerin Gülten Bockholdt stellt sich den Fragen der Klasse Q1a

Viele Schülerinnen und Schüler, die mit einem Nebenjob ihr Taschengeld aufbessern, freuen sich über die Einführung des Mindestlohnes von 8,50 Euro ab dem 1.1. 2015.

Welche Bedeutung aber hat eine solche politische Entscheidung für ein Unternehmen, das viele ungelernte Arbeitnehmer beschäftigt? Eine besondere Chance, die Arbeitgeberperspektive in dieser und anderen Fragen kennen zu lernen, bot der Besuch von Gülten Bockholdt, der Gesellschafterin des gleichnamigen Lübecker Unternehmens, in der Klasse Q1a.



Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass es in der Reinigungsbranche bereits seit 2007 einen Mindestlohn gibt, der im Januar diesen Jahres auf 9,55 € gestiegen ist. Gülten Bockholdt kann deswegen die Aufregung um die bundesweite Einführung des Mindestlohnes für alle Branchen nicht nachvollziehen. „Die Reinigungsbranche hat hier eine Vorreiterrolle übernommen“, so die Gesellschafterin des größten schleswig-holsteinischen Dienstleistungsunternehmens.

Auch in der heftig diskutierten Frage, ob es eine Frauenquote für Führungskräfte in Dax notierten Unternehmen geben solle, bezieht die Unternehmerin klar Stellung. Leistung und Eignung, nicht angeborene Merkmale wie Geschlecht oder ethnische Zugehörigkeit sollten bei einer Stellenvergabe ausschlaggebend sein. Die Frauenquote könne allenfalls ein vorübergehendes Instrument sein, bis Frauen in Führungspositionen eine Selbstverständlichkeit seien. Der Forderung von Bundeskanzlerin Merkel, Unternehmen sollten mehr Migranten beschäftigen, hält sie, die selbst einen Migrationshintergrund hat, entgegen, zuerst müssten die Betreffenden die deutsche Sprache erlernen. Erst dann könne man sie beschäftigen oder ausbilden.

Besonders interessiert waren die Schülerinnen und Schüler, als Gülten Bockholdt die Firmenpolitik des eigenen Unternehmens, das ca. 6.500 Mitarbeiter beschäftigt, erläuterte. In den vergangenen 7 Jahren seien alle Standorte im Ausland und südlich von Hannover geschlossen worden. Die Nähe zu Mitarbeitern und Kunden habe bei dieser Entscheidung den Ausschlag gegeben. „We don`t want to be big, we want to be great!“, sei das handlungsleitende Motiv der Geschäftsführung. Man setze auf kurze Wege und flache Hierarchien im Familienunternehmen, um die Qualität des Angebots stetig zu verbessern. Die dennoch stetige Steigerung des Umsatzes in den vergangenenen Jahren zeigt, dass mit der Konzentration auf den norddeutschen Raum eine erfolgreiche Strategie für die Mitarbeiter und Kunden verfolgt wurde.

Bevor Gülten Bockholdt sich nach anderthalb Stunden von den Schülerinnen und Schülern verabschiedete, gab sie den Jugendlichen noch Tipps für den eigenen Lebensweg. „Geht raus in die Welt und macht Erfahrungen. Aber dann kommt wieder, denn es gibt etliche Lübecker Unternehmen, die führend auf dem Weltmarkt sind und sehr gut ausgebildete Fachkräfte brauchen“, lautete der Rat der Unternehmerin, die Sprecherin der Fach- und Führungskräfteinitiative „Hansebelt“ ist, einem Netzwerk für Bildungsmöglichkeiten und Standortförderung. Aus diesem Blickwinkel hatten viele Schülerinnen und Schüler ihre Heimatstadt noch nicht betrachtet. Die Arbeitgeberperspektive einzunehmen, erwies sich also auch im Hinblick auf die eigenen beruflichen Pläne für sie als Bereicherung.

„Am bemerkenswertesten fand ich, dass es bei einem Familienunternehmen kürzere und direktere Wege zwischen Mitarbeitern und Führungskräften gibt als bei einem großen Konzern und dass die 12 Grundwerte des Unternehmens von den Mitarbeitern selbst erarbeitet wurden.“ ( Firas)

„Mit dem Besuch von Frau Bockholdt war das große Unternehmen auf einmal zum Greifen nah. Allein die Möglichkeit, ihr Fragen zu besonders brisanten Themen stellen zu können, war eine Bereicherung.“ ( Ida)

„Die Perspektiven für Lübeck als Unternehmensstandort waren mir vor dem Besuch von Frau Bockholdt nicht so bewusst.“ ( Mareike)

„Für mich war am interessantesten, dass das Unternehmen nicht expandieren will, sondern sich aus dem Ausland zurückgezogen hat und sich jetzt auf Norddeutschland konzentriert.“ ( Finn)

„Ich fand gut, dass Frau Bockholdt klar Stellung bezogen hat, z.B. in der Frage der Frauenquote.
( Juana)



Mechthild Piechotta
09.02.2015

Fotos:
© M. Piechotta

 
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