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Die Entdeckung des Hidden Champion

Exkursion der Q1a zum Unternehmen SLM-Solutions Lübeck AG

Als Hidden Champions, versteckte Gewinner, werden relativ unbekannte Unternehmen bezeichnet, die auf ihrem Gebiet Weltmarktführer, zumeist inhabergeführt und nicht börsennotiert sind. Alle diese Merkmale treffen auf SLM Solutions zu, bis auf das letzte. 2014 ging das Unternehmen, das sogenannte 3-D-Drucker entwickelt und herstellt, an die Börse.
Die Schülerinnen und Schüler der Q1a hatten bei einem Besuch des Firmensitzes in der Roggenhorster Straße die Gelegenheit, das Unternehmen und die Strategie, die hinter dem Börsengang steht, kennen zu lernen.



Stefan Ritt, der Sales-, Export- und Marketing Manager der Firma, erklärte zunächst die technische Seite der 3-D-Druck genannten additiven Fertigungstechnik. Die Anlagen, die SLM Solutions herstellt, verschmelzen Mikrometer dünne Schichten von Metallpulver mit Hilfe eines Lasers zu dreidimensionalen Teilen, deren Bauplan zuvor am Computer entworfen wurde. Im Gegensatz zur bislang gebräuchlichen Metallgusstechnik entstehen dabei keine Abfälle und man muss keine Gussformen herstellen, sodass Material und Energie eingespart werden. Außerdem lassen sich komplizierte und filigrane Hohlkörper herstellen, für die die traditionelle Technik ungeeignet ist. So lassen sich Prototypen fertigen, die in relativ kurzer Zeit eingebaut, getestet und danach weiterentwickelt werden können. Dieses Verfahren verkürzt die Entwicklungszeit bis zum serientauglichen Produkt erheblich. Auch zur Serienfertigung setzen Unternehmen z.B. der Luftfahrt- und Medizintechnik die Geräte von SLM Solutions mittlerweile ein. Die mit den 3-D-Druckern hergestellten Hohlkörper weisen eine hohe Stabilität und ein geringes Gewicht auf, was im Flugzeugbau wie bei künstlichen Gelenken von großem Vorteil ist. Die Schülerinnen und Schüler hatten die Gelegenheit, sich selbst von diesen Eigenschaften der Erzeugnisse zu überzeugen, die jeder in die Hand nehmen durfte.



Seine eigene Tätigkeit als Export-, Sales- und Marketingmanager schilderte Stefan Ritt höchst lebendig. Seine Aufgaben bestehen darin, Kontakte zu Kunden z.B. auf internationalen Fachmessen zu knüpfen, Interessenten zu besuchen und neue Vertriebspartner weltweit zu gewinnen wie das kürzlich eröffnete Büro in Singapur. Oder er referiert als Experte über die Technik des 3-D-Drucks, wie vor kurzem in Brüssel bei einer Expertenanhörung vor der EU-Kommission.
„Man muss gerne reisen und Lust haben, unterschiedlichste Menschen kennen zu lernen“, bekannte Stefan Ritt. Dabei seien gute Fremdsprachenkenntnisse unerlässlich. Bevor er ein fremdes Land bereise, lerne er, der Englisch, Französisch und Dänisch spricht, zumindest die gebräuchlichsten Floskeln, wie „bitte“, „danke“ und „Guten Tag“. Das seien die wichtigsten Türöffner , um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Zur interkulturellen Kompetenz zählen Stefan Ritt zufolge eine breite Allgemeinbildung und Neugier auf fremde Kulturen. Ob geschichtliche oder geografische Kenntnisse, vieles, was man in der Schule lerne, erleichtere die Kommunikation mit ausländischen Geschäftspartnern, äußerte Stefan Ritt zur Befriedigung der begleitenden Lehrkräfte.



Zum Börsengang des Unternehmens vor einem guten halben Jahr erfuhren die Schülerinnen und Schüler schließlich Folgendes: Die Anwendung der additiven Fertigungstechnik wird für immer mehr Unternehmen interessant, sodass weltweit die Nachfrage nach den von SLM Solutions produzierten Anlagen hohe Zuwachsraten zu verzeichnen hat. Wurden 2013 von SLM Solutions 28 metallbasierte 3-D-Drucker gefertigt, verkaufte das Unternehmen 2014 bereits 50. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs, kurz vor Jahresende, verzeichnete das Unternehmen besonders viele Auftragseingänge. Wenn die Bilanz für das ablaufende Jahr gute Gewinne ausweise, investiere ein Kunde gerne in solche Anlagen und könne über deren Abschreibung die Steuern auf seine Einnahmen senken, erläuterte Stefan Ritt. Während unseres Besuchs hielten sich beispielsweise Kunden aus Norwegen im Betrieb auf, die zum ersten Mal einen 3-D Drucker bestellt hatten und sich ein Bild von ihrem Geschäftspartner machen wollten. Dass SLM Solutions auch Bildungsangebote macht, kam bei den Besuchern gut an. Sie schossen Fotos von den Schülerinnen und Schüler, die jetzt den Lesern eines norwegischen Fachjournals entgegenblicken.
Mit dem durch den Börsengang gewonnenen Kapital finanziert das Unternehmen sein weiteres Wachstum auf dem weltweiten Markt für die zukunftsträchtige Technologie des metallbasierten 3-D-Drucks. Der Börsengang in diesem Jahr hat aber auch die Bekanntheit des Unternehmens so gesteigert, dass von einem „versteckten Champion“ nicht mehr die Rede sein kann.

Für diesen spannenden Einblick in ein zukunftsweisendes Unternehmen bedanken wir, die Klasse Q1a, uns recht herzlich bei Herrn Ritt und der SLM-Solutions AG.

Text: © Katja Brämer und Mechthild Piechotta
24.01.2015


Fotos:
© M. Piechotta

 
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