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Der Nato-Einsatz in Libyen – Hintergründe und Ausblicke

„Was man lange kennt, hält man für gut, auch wenn man weiß, dass es nicht gut ist.“ Mit diesen Worten versuchte Frau Oberleutnant Müller, Jugendoffizier der Bundeswehr in Eutin, zu erklären, warum sich über 40 Jahre das Gaddafi-Regime, das von Korruption und Misswirtschaft geprägt war, in Libyen halten konnte.



Mithilfe einer informativen Powerpoint- Präsentation gewährte Frau Oberleutnant Müller am 10.11.2011 den Schülern der Klassen 13g und 13n einen Überblick  über die Revolution in Libyen.
Am 01.09.1969 übernahm Muammar al-Gaddafi die Kontrolle über Libyen. Der Diktator stellte sich an die Spitze der „freien Offiziere“, die durch einen Militärputsch König Senussi, der das Land seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1951 regiert hatte, entmachteten. Gaddafi verstand sich als „Kämpfer für die Schwachen“. Tatsächlich aber stieg der Wohlstand der Elite, die armen Menschen wurden immer ärmer. Aus anfänglicher Hoffnung und Begeisterung für seine formal basisdemokratisch legitimierte Herrschaft wurde schnell Skepsis. Die steigende Unzufriedenheit und Perspektivlosigkeit vieler, insbesondere junger Menschen entfachte schließlich nach den erfolgreichen Aufständen in Tunesien und Ägypten, die zum Sturz der dortigen Diktatoren geführt hatten, im Februar 2011 Massenproteste auch in Libyen. Brutale Repression war die Antwort des Gaddafi-Regimes.



Am 17. März 2011 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1973, bei deren Abstimmung Deutschland sich enthielt. Diese umfasst die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen zum Schutz der Zivilbevölkerung und Unterstützung der Aufständischen. Die Bundesrepublik Deutschland enthielt sich bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat und stellte der Nato auch keine Truppen zur Verfügung, eine Haltung, die die Schüler ausgiebig mit Frau Oberleutnant diskutierten. Nachdem der nationale Übergangsrat wenige Tage nach Gaddafis Tod Libyen für befreit erklärt hat, steht das Land nun vor einer ungewissen Zukunft. Die Entwaffnung der Milizen, die Integration und gleichberechtigte Teilhabe aller in Libyen angesiedelten Stämme am politischen Prozess, die Versöhnung zwischen Unterstützern des alten Regimes und den Oppositionellen sind nur einige der Aufgaben, die jetzt gelöst werden müssen. Das Land, in dem bisher alle zivilgesellschaftlichen Organisationen verboten waren, hat keine Erfahrung und kaum Führungspersonal, das einen demokratischen Staatswerdungsprozess einleiten könnte. Welche Rolle die Nato-Staaten, die ihre Mission mittlerweile beendet haben, dabei spielen könnten, wurde zum Ende der Veranstaltung engagiert diskutiert.



Cindy Diekmann, 13g
22.11.2011

Fotos: ©  M. Piechotta

 
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