Landtagswahl 2005 

Von jungen Nachwuchsdemoskopen und fleißigen Helfern 

Schüler-Prognose ganz dicht dran: „Wir kennen eben unseren Acker“  -  Die Wahl gewonnen haben in jedem Fall die Thomas-Mann-Schüler. Ihre Hochrechnung wich nur 0,47 Prozent vom Endergebnis ab. Dabei wäre die Präsentation beinahe ins Wasser gefallen. 

VON JOSEPHINE VON ZASTROW, 
Lübecker Nachrichten vom 22. Februar 2005

Tja, da kann man sich noch so gut vorbereiten – zum Schluss hängt alles an der Technik. Eine Diskette hätte die mittlerweile traditionelle Präsentation der „Schüler-Wahl-Prognose“ im Lübecker Börsensaal fast eliminiert. Da wollten die eifrigen Thomas-Mann-Schüler nur eben schnell die Daten und das Layout auf dem Laptop überprüfen – und dann blieb diese dumme Diskette einfach in dem Gerät stecken. „Ohne die hätten wir unsere Zahlen nicht mit dem Beamer projizieren können“, sagt Harald Denckmann, Lehrer an der Thomas-Mann-Schule, der mit Eckhard Fick das Wahl-Projekt leitet. 

   Das hätte peinlich werden können. Denn im Börsensaal des Rathauses hatten sich schon interessiertes Wahlvolk und angespannte Lokalpolitiker versammelt, fieberten der ersten 18-Uhr-Prognose entgegen – und die Schüler kämpften mit der eingeklemmten Diskette. Mit ein wenig Gewalt haben sie den störrischen Datenträger dann noch rechtzeitig befreien können – und die Prognose der Thomas-Mann-Schule leuchtete ohne Probleme auf der weißen Wand. 

   Ein wenig ins Schwitzen kamen Mohammed El-Sheikh (17) und Frederik Fink (16) dann noch einmal, als im parallel laufenden Fernsehprogramm des NDR die CDU Wahlkreis für Wahlkreis gewann, die Prognose und die Hochrechnungen der Thomas-Mann-Schüler die SPD in Lübeck aber klar vorne sahen. Doch sie lagen richtig – die Hanseaten wählten gegen den Trend. Und eben diese Ergebnisse vor allen anderen zu wissen, ist genau das, was Jungs wie Mohammed und Frederik aus dem 11. Jahrgang so reizt. Auch wenn sie noch nicht wählen dürfen, schlagen sie sich mit 50 anderen Schülern den Abend im Rathaus um die Ohren. Die Truppe für Hochrechnung und für die Präsentation hinter den Bildschirmen im Börsensaal, diejenigen für die Radiosendung im Ratskeller. 

  Doch auch vorher schon waren die Schüler unterwegs – standen am Wahltag vor 23 Wahllokalen von Krummesse bis Travemünde für die Nachwahlbefragung. Wie Till Welzel (15) und Maximilian Harms (15). Die postierten sich um 9 Uhr in der Alten Stadtschule am Falkenplatz und fragten 100 Lübecker, wo sie ihr Kreuzchen gemacht haben. Damit lieferten die Schüler die Daten für die 18-Uhr-Prognose, die die Lübecker SPD bei 47,2 Prozent und die CDU bei 33,3 Prozent sah. Die durchschnittliche Abweichung vom Endergebnis liegt bei 1,43 Prozent. Bei der Hochrechnung, die um 19.30 Uhr feststand, hatten die Schüler die Prozentpunkte der Parteien fast alle richtig voraus gesagt – mit einer durchschnittlichen Abweichung von 0,47 Prozent. „Das ist vorzüglich“, lobt Denckmann  seine Schützlinge. Warum die Schüler oftmals die offiziellen Prognosen und Hochrechnungen toppen, liege daran, so der Lehrer, dass „wir unseren Acker kennen“. Forsa und Co. hätten eben Schleswig-Holstein zu betreuen, die Thomas-Mann-Schüler haben sich allein auf Lübeck spezialisiert. Und auch dort wurde deutlich, dass das TV-Duell vergangenen Dienstag entscheidend war. Hätten eine Woche vor der Wahl laut der Schüler-Umfrage noch 47 Prozent rot gewählt, waren es am Wahltag 3,4 Prozent weniger. Die CDU steigerte sich von einem Umfrage-Ergebnis vor der Wahl von 30 Prozent auf 34,5 Prozentpunkte. Die Wähler entschieden sich eben immer kurzfristiger, so Denckmann,  das sei deutlich feststellbar. 




Foto: ROESSLER 
Fragen nach der Wahl: Till Welzel (15, r.) erklärt Johanna Hasse (21), wie sie den Fragebogen der Thomas-Mann-Schule ausfüllen muss. 

Wir danken für die Überlassung des Copyrights.
Veröffentlichung: LN; Datum:2005 FEB 22; Ressort:Lübeck; 
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Veröffentlichung Homepage: 03.03.2005
 

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