Schulpartnerschaft  / Partenariat
Thomas-Mann-Schule Lübeck -
Collège de Nguith/Senegal

Reise ins Ungewisse 2007

Reiseführer, Zeitungsberichte, Fernsehreportagen, ja selbst Berichte Einheimischer, die  jetzt in Lübeck leben, können nicht annähernd das widerspiegeln, was wir in dieser einen Woche  im Senegal erlebt haben.
Der Familienzusammenhalt der Familie hat es uns ermöglicht, in vielen Familien, an vielen verschiedenen Orten die Gastfreundschaft der
Senegalesen kennenzulernen.




Freitag, 26.1.2007

Schon bei der Ankunft am Flughafen Dakar spüren wir, obwohl die Hektik eines Flughafens wie der von Dakar für einen Europäer angsteinflößend sein müsste, schon beim Empfang die Wärme der Familien, die uns in den nächsten Tagen umsorgen werden. Eine Autofahrt durch das nächtliche Dakar konfrontiert uns schon ansatzweise mit den Problemen dieser Millionenstadt. Aber die Herzlichkeit unsere Gastgeber lässt uns keine Zeit, darüber nachzudenken.
Im Haus unserer Gastgeber, das wir nach  einer relativ langen Fahrt auf nicht asphaltierten Straßen erreichen, empfangen uns der Hausherr, seine beiden Frauen und Kinder jeden Alters. Ein köstliches Mahl wird auf  einem großen Teller serviert, nicht auf einem Tisch, sondern auf dem Fußboden, auf dem zuvor ein Teppich ausgebreitet wird. Wir lassen uns zum Essen nieder und dürfen im wahrsten Sinne des Wortes zugreifen. Das Essen schmeckt köstlich. Die Gespräche auf  Französisch, Englisch und Woloff kommen in Gang. Danach ziehen wir uns in unsere Gemächer zurück. Das Surren einer Mücke während der Nacht lässt uns an Malaria denken.

Samstag, 27.1.2007

Am Morgen gegen 8 Uhr ist die Abfahrt nach Nguith (300km) geplant. Aber diese verzögert sich um einige Stunden, da noch viele nette Menschen begrüßt werden müssen, das Haus besichtigt werden, die  Umgebung erkundet werden muss, die Gespräche mit den Frauen immer interessanter werden.
Gegen Mittag geht es los, nachdem unser Gepäck und 40 Eier an Bord genommen wurden. Der Fahrer, ein junger Amerikaner, der an einem Umweltprojekt in Nguith arbeitet, schlägt sich tapfer durch den unbeschreiblichen Verkehr von Dakar. Cheikh, der für die Partnerschaft verantwortliche Lehrer, fungiert als Beifahrer. Wir sitzen zu dritt auf der Rückbank  und  sammeln die ersten Eindrücke. Die Straße ist relativ gut. Schlaglöcher und  die Straße überquerende Ziegen, Schafe, Esel und Kühe werden geschickt umfahren. Die Stimmung an Bord ist gelassen und Gespräche werden fort- gesetzt.  Nach einer kleinen Erholungspause bei einem Verwandten von Cheikh setzen wir unsere Fahrt durch die Savanne fort. Der Affenbrotbaum, der Baobab, findet unsere Aufmerksamkeit. Die Straße wird, je mehr wir uns unserem Ziel nähern, schlechter. Schlaglöcher zwingen den Fahrer auf die Piste, was zur Folge hat, dass  das Fahrzeug, ein BMW in leidlichem Zustand, des öfteren zu streiken beginnt. Anschieben hilft. Der Tag neigt sich dem Ende zu, und wir sind noch einige Kilometer von Nguith entfernt. Hilfsbereite Menschen helfen anschieben. Der Wagen läuft bis zur nächsten Ortschaft, wo ein Mechaniker den Filter reinigt, so dass wir unsere Fahrt fortsetzen können. Dank der funktionierenden Handys werden die Einwohner von Nguith über unsere verspätete Ankunft unterrichtet. Brav nähert sich unser Auto dem Dorf. Dann streikt es wieder.  Plötzlich  leuchten überall Taschenlampen auf, Kinder scharen  sich um das Auto und schieben uns mit vereinten Kräften zu dem Haus, unserer  Residenz,  in der wir die nächsten vier Nächte verbringen werden.



Dorf in der Sahelzone

Das Dorf Nguith mit Moschee

Sonntag, 28.1.2007

Mit einem Frühstück auf der Dachterrasse der Residenz beginnt der dritte Tag. Danach gehen wir zum Arbeitstreffen mit den Lehrern des Collège, das in einem der Klassenzimmer der Grundschule stattfindet. Auf dem staubigen Weg dorthin begrüßen wir viele Menschen: Alte unter dem Palaverbaum, Frauen Kinder, Jugendliche. Das Handgeben ist üblich und ein freundliches „Ça va ?“ ist immer dabei.



Herr Leberke während der Konferenz mit
senegalesischen Kollegen


In der Koranschule

Gruppenarbeit in Nguith

Beim Arbeitstreffen begrüßt uns der Direktor der Schule. Die Lehrer stellen sich und ihre Fächer vor. Der Direktor betont, wie sehr sie die Zusammenarbeit mit der Thomas-Mann-Schule schätzen. Das Programm für die nächsten Tage steht  feinsäuberlich geschrieben an der Tafel. Wir wissen nun, dass unser Besuch sorgfältig vorbereitet wurde und dass sich alle, Lehrer, Eltern und Schüler große Mühe gegeben haben, diese Woche für uns zu gestalten.
Am Nachmittag machen wir die Runde im Dorf. Wir statten dem Dorfvorsteher, dem Imam und dem Marabout einen Besuch ab. Wir überreichen unsere Gastgeschenke  und beim Abschied wird ein Gebet gesprochen.
Am Abend besuchen wir das Frauenprojekt, Pflege eines Gemüsegartens. Die Frauen haben sich auf unseren Besuch vorbereitet, sind alle sehr hübsch gekleidet und zeigen uns stolz ihren Gemüsegarten, in dem verschiedene Salate und Kohl angebaut werden. Jeden Abend kommen sie zur Bewässerung in ihren Garten. Das Gemüse verkaufen sie im Dorf. Die Männer unterstützen ihr Projekt. Sie sind richtig stolz auf ihre Frauen.


Stolz präsentieren die Frauen ihre Ernte

Die Frauen bieten ihre Waren auf dem Markt an

Montag, 29.1.2007

Der Schulalltag beginnt. Wir besuchen die verschiedenen Klassen des Collège, sprechen mit den Schülern der Klassen, die bereits einen deutschen Briefpartner haben. Sie singen für uns ein Lied und erzählen etwas über sich. Danach besichtigen wir das Gelände des Collège. Zwei Klassenzimmer sind fertiggestellt, das Verwaltungsgebäude ist im Bau, weitere Klassenzimmer sind geplant. Der Bauplan liegt bereits vor. Bis zur Fertigstellung der Klassenräume hat die Grundschule zwei Klassenzimmer zur Verfügung gestellt. Auch das bescheidene Direktorenzimmer befindet sich auf dem Gelände der Grundschule, der wir an diesem Tag auch einen kurzen Besuch abstatten.

 
Frau Kurze während des Festaktes

Am Nachmittag folgt der Höhepunkt unseres Besuches, die Zeremonie zur Übergabe unserer Geschenke und unsere Finanzspende. Dazu sind alle Eltern, Lehrer und Schüler, der Schulinspektor und der Präfekt des Départements von Lingùere geladen. Der Präfekt, der Inspektor, der Direktor,  die Elternvertreter und die deutschen Gäste halten Reden, in denen sie die Bedeutung der Partnerschaft  unserer beiden Schulen hervorheben. Die Zeremonie wird aufmerksam von der Öffentlichkeit verfolgt. Selbst das lokale Radio interviewt noch einmal alle Redner nach der Veranstaltung. Nach einem kleinen Umtrunk gehen wir zurück zu unserer Residenz, wo uns ein von Cheikhs Frau zubereiteter Couscous erwartet. Es ist der Abend vor dem muslimischen Neujahrsfest. Zur Feier des Tages hat die Dorfgemeinschaft  zwei Rinder schlachten lassen. Die Rinder wurden nicht weit von unserer Residenz getötet und zerlegt.
Nach dem Abendessen geht es zum großen Kulturabend auf dem Gelände der Grundschule. Es wird bis Mitternacht getanzt und gesungen. Die Kinder verkleiden sich an diesem Abend und gehen von Haus zu Haus. Sie tanzen und singen und bekommen von den Hausbewohnern eine Kleinigkeit.


Der Präfekt des Départements von Linguère

Dienstag, 30.1.2007

Neujahrstag: Die Nacht war kurz, die Dorfbewohner schlafen heute etwas länger. Wir sitzen auf der Dachterrasse und beobachten die Tiere, die zur Tränke gehen. Die Familien bleiben in ihren Häusern, beten gemeinsam und bitten sich gegenseitig für absichtlich oder unabsichtlich begangenes Unrecht um Verzeihung. Danach wird unser Ausflug nach Linguère vorbereitet. Wir statten zunächst dem Inspektor einen Besuch in seinem Haus ab. Dann begeben wir uns zum Lycée von Linguère, wo uns der Direktor in seinem Büro erwartet. Das Lycée hat über 1200 Schüler. Auch hier reichen die Klassenzimmer nicht aus,. Schichtunterricht und volle Klassen  ( bis zu 60 Schüler ) sind die Folge. Am Nachmittag geht es zum Picknick in ein Naturreservat  in der Nähe von Linguère. Eine gerade im Haus des Direktors des Collège geschlachtete Ziege wird im Freien zubereitet. Wir sitzen auf Matten, beobachten für uns bis dahin unbekannte Vögel. Einige Männer helfen den Frauen bei der Zubereitung der Kartoffeln und Zwiebeln. Nach dem köstlichen Mahl führt uns ein kleiner Spaziergang zu einem Regenwasserrückhaltebecken, das, noch gut gefüllt, das Wasser für die Bewässerung von mehreren Gemüsebeeten liefert. Auch in diesem Projekt arbeiten vorwiegend Frauen.



Auf dem Rückweg vom Wasserholen


Senegalesin mit Kind

Mittwoch, 31.1.2007

Nach einem Vortrag über den Senegal, zu dem auch alle Schüler des Collège geladen waren, fahren wir noch einmal nach Linguère, um Einkäufe zu machen. Da der Englischlehrer darüber klagte, dass er keine Möglichkeiten habe, die im Lehrbuch vorgesehenen Hörverständnisübungen durchzuführen, kaufen wir als Abschiedsgeschenk noch einen CD-Player, der dann am Nachmittag beim Abschiedsfest überreicht wird.
An der Kulturveranstaltung am Nachmittag nehmen alle Schüler der Grundschule und des Collège teil. Die Kinder tragen bunte Kostüme, tanzen, singen und trommeln. Eine Farbenpracht, die man fast nicht in Worte fassen kann. Für die deutschen Gäste wurden von den Frauen des Dorfes bunte Gewänder aus Baumwollstoff gefertigt. Diese mussten wir sofort überstreifen.
Am späten Abend gibt es auf dem Schulgelände zum Abschied noch ein Feuer. Jugendliche aus Nguith und Linguère tanzen um das Feuer und singen. Der Tanz wird gegen Mitternacht immer schneller. Dann der Abschied. Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen.

Donnerstag, 1.2.2007   Freitag, 2.2.2007

Rückfahrt nach Dakar ohne größere Pannen. Ankunft in Dakar am Nachmittag. Der Kontrast zum Dorf Nguith kann nicht größer sein. Es empfängt uns  wieder die Hektik der Großstadt. Ein kleiner Abstecher zur Insel Gorée, von wo aus Sklaven nach Amerika verschifft wurden, konfrontiert uns mit der Kolonialzeit und dem Tourismus.
Ein Besuch auf der Insel gehört zum Pflichtprogramm der Senegaltouristen. Wir sehen das schöne Regierungsviertel, den  Campus der Universität von Dakar, direkt am Strand gelegen, aber auch  den Müll in den Straßen, die Straßenhändler, die jeden Stau nutzen, um ihre Ware zu verkaufen. Unser ständiger Begleiter Cheikh Coundoul hat uns mit seiner bewundernswerten Ausdauer und Ruhe sicher durch Dakar geführt und pünktlich zum Flughafen gebracht. Ein wenig  traurig  sind wir schon, als wir uns von Cheikh, der uns den Kontakt  zur einheimischen Bevölkerung erst ermöglichte, verabschieden müssen.


Annette Kurze 20.02.2007

Frau Humbert und Frau Kurze mit ihren Begleitern
auf der Insel Gorée
"Das Tor ohne Wiederkehr"

Das ehemalige Sklavenhaus ist heute UNESCO-Weltkulturerbe.




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Daara - Wegweiser für globales Lernen in Lübeck

Fotos: © M. Leberke 2007

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