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DELF/DALF Prix des Lycéens allemands 2006
 
Günter Grass, Schneesturm und Maestro

Ein Reisebericht von der Leipziger Buchmesse

Von Andrea Hadler


Dicke Schneeflocken fielen auf meine Haare und mein Gesicht. Gerade erst hatte ich den Leipziger Hauptbahnhof verlassen – dank der Deutschen Bahn eine Stunde später als geplant - und stand nun in einem Schneegestöber. In der Touristeninformation kaufte ich mir eine Eintrittskarte für die Buchmesse und erkundigte mich nach dem Weg zu meiner Jugendherberge. Zum Glück war dieser recht einfach, da ich nur mit der Tramlinie „1“ einige Stationen fahren musste.
Leider bedeckte der Schnee die „6“ der Linie „16“, sodass ich für den Weg doch „etwas“ länger brauchte.
Endlich an meinem Ziel bezog ich ein 5-Bett-Zimmer, in dem ein Mädchen aus Barcelona und eine Münchnerin wohnten. Mit letzterer erkundete ich die Stadt und im Anschluss fuhren wir ins Leipziger Landgericht. Der zweifache Grimmepreisträger Friedrich Ani stellte dort vor rund 15 Interessierten sein neues Werk „Wer lebt, stirbt“ vor.
Der Abend wurde ebenfalls sehr amüsant, da ich gemeinsam mit der Münchnerin zusammen in einem kleinem Lokal essen ging und sie mir Tipps für meinen Messenbesuch gab.


Der nächste Tag begann früh, sodass ich bereits um 8.45 Uhr  geduscht und gefrühstückt hatte. Pünktlich um kurz nach 10 Uhr kletterte ich in den Shuttlebus, der mich vom Hauptbahnhof direkt zum Messegelände fuhr.



Die Eingangshalle gab ein beeindruckendes Bild ab: Ein riesiger Glaspalast von dessen Decke bunte Banner herabhingen, unter ihnen schlenderten unzählige Menschen von Stand zu Stand und begutachteten die große Bücherauswahl. Auch ich schloss mich ihnen an und ließ mich von dem langsamen Strom der Menschenmassen mitziehen. Gegen Mittag wollte ich bei einer Lesung von Günter Grass zuhören, allerdings belagerten bereits etwa 150 Lesefans den Zuschauerraum, sodass ich bis auf den Hinterkopf des Nobelpreisträgers nicht viel sah.
Daraufhin lauschte ich dem MTV-Moderator Markus Kavka, als dieser sein erstes Werk vorstellte und besuchte die Präsentation einer französischen CD.

Fasziniert war ich jedoch nicht nur von den zahllosen Ständen mit jegliche Art von Lektüren, sondern auch von den Besuchern der Messe: Abgesehen von vielen Schulklassen und Privatpersonen, die sich durch die Gänge drängelten, dominierte eine farbenfrohe Gruppe junger Menschen Halle 4. Hier stellten Comic- und Mangazeichner ihre Werke vor. Doch die bunten Bilder schienen in dieser Halle aus den Büchern geklettert zu sein: Verkleidet, geschminkt und mit Requisiten ausgestattet wie die Superhelden und Hauptdarsteller aus den Zeichnungen präsentierten sich junge Fans und zeigten so ihre Hysterie für die japanische Kunst.

Kurz vor 15 Uhr nahm ich meinen Platz im Kongressgebäude ein. Hier begann wenig später die Preisverleihung für den „Prix des lycéens allemands“.  Nach einer kurzen Begrüßung durch Madame Chantal Colleu-Dumond, die Kulturattachée der Französischen Botschaft in Berlin, stellten je drei Schüler der Bundesjury die Bücher vor.  Vor allem bewundernd, aber auch erstaunt über das Sprachvermögen der 16 jungen Juroren aus ganz Deutschland zeigten sich die drei Autoren, die in der ersten Reihe im Saal der Zeremonie folgten. Véronique Le Nomand, Sarah Cohen-Scali und Xavier-Laurent Petit warteten mit Spannung auf die Entscheidung. Doch bevor der glückliche Gewinner verkündet wurde, präsentierte Klett noch das auserwählte Buch des Vorjahres, sowie die Übersetzung von „Simple“.  Nach gut einer Stunde war es soweit und die Juroren traten jeder einzeln an das Rednerpult und erklärten - ohne die Namensnennung des Gewinners - warum sie sich für ebendieses Werk entschieden hatten. Doch bereits nach dem vierten Schüler dämmerte es allen: „In diesem Werk lernen wir etwas über das Leben in einer anderen Welt weit weg von der unsrigen.“ Und tatsächlich verkündete der letzte Sprecher: „Wie Sie sich wahrscheinlich schon denken können fiel unsere eindeutige Wahl auf MAESTRO!“ Tosender Applaus der rund 200 Zuschauer.

Leipziger Buchmesse Prix des Lycéens allemands 2007

Überglücklich bedankte sich Xavier-Laurent Petit für diese Wahl und lobte noch einmal Schüler und Lehrer für die Teilnahme an diesem Prix. Er erhielt einen Scheck von Klett, der für die Übersetzung der Gewinnerlektüre verwendet werden soll. Es folgten letzte Danksagungen und die Ehrung der Schüler. Jeder Juror bekam eine Urkunde, sowie einige dicke Bücher als tolles Andenken an diesen großen Event. Doch hier endete die Vorstellung für die Autoren noch lange nicht, da unzählige Zuschauer die Bühne enterten um Autogramme der drei Schriftsteller zu sammeln. Sehr liebevoll nahmen diese sich Zeit und fragten jeden nach seinem Namen, sodass die Autoren jedem eine persönliche Widmung ins Buch schrieben. 


Um kurz vor 18 Uhr verließ ich voll von Eindrücken und Emotionen das Messegelände, fuhr zurück in meine Jugendherberge und ließ den Tag noch einmal Revue passieren, ehe ich am nächsten Tag schon wieder meine Koffer packte und gen Heimat fuhr.
Obwohl ich nur drei Tage in Leipzig war und das Wetter mehr als unangenehm war, war es ein toller Ausflug, bei dem ich viel gesehen und gelernt habe.
Die Leipziger Buchmesse hautnah mit zu erleben war spannend, manchmal anstrengend und vor allem eine sehr schöne Erinnerung.


Andrea Hadler
18.04.2007

Photos: © Andrea Hadler
23/03/2007

 




Thomas Mann (links) und die Juroren des Prix des Lycéens 2007




 





 
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