Europa! Jung, unterhaltsam und äußerst multikulturell.
Praktikum im Europäischen Parlament in Brüssel

Der große Glaskomplex mit abgerundetem Dach am Ende der Straße war gut zu sehen, als ich die Straße hinunter lief. Das musste das Europäische Parlament hier in Brüssel sein. Ich passierte das Gebäude der Europäischen Kommission und beobachtete die vielen Leute, die zielstrebig in Richtung Parlamentsgebäude gingen. Das Europaparlament, wo ich eine Woche mein Praktikum absolvieren durfte, hatte ich früher als erwartet erreicht und so hatte ich noch etwas Zeit, die Gegend zu erkunden und die internationale Atmosphäre zu genießen, die schon vor den Gebäuden der Europäischen Union aufkam und später auf den unteren drei Ebenen, wie die Stockwerke genannt werden, noch deutlicher zu spüren war.


Ich wurde von Ulrike Rodust, der schleswig-holsteinischen Abgeordneten im Europäischen Parlament, und ihren beiden Assistenten Deike und Eckehard sehr herzlich empfangen und es herrschte sowohl im Büro als auch im gesamten 12. Stockwerk, wo ausschließlich die deutschen Abgeordneten der SPD ihre Büros haben,  ein für mich überraschend familiäres und entspanntes Klima, wobei jeder prinzipiell geduzt wird.
Dass ich nur für eine Woche mein Praktikum antreten würde, war relativ ungewöhnlich, da die meisten Studenten dort bezahlte Praktika über mindestens zwei Monate absolvierten, doch dies kam mir letztendlich zu Gute, da es sich kaum lohnte, mich in die gewöhnliche Praktikantenarbeit einzufuchsen.


So durfte ich Ulrike die gesamte Woche mehr oder weniger verfolgen und ihren Arbeitsalltag genau beobachten. Schon alleine vom Zuhören bei den diversen Sitzungen und Ausschüssen hatte ich nach dem zweiten Tag einen etwas schweren Kopf und ich musste wirklich eingestehen, dass ich die Arbeit der Europaabgeordneten zuvor maßgeblich unterschätzt hatte.
12 Stunden ohne wirkliche Pausen sind für die meisten Abgeordneten Durchschnitt, sogar die Mittagspausen, sofern es eine gibt, werden oft für Gespräche genutzt. Auf meine Frage, wie es denn zu diesem allgemeinen Bild in der Öffentlichkeit vom faulen Europaabgeordneten komme, antwortete mir Ulrike sehr einleuchtend: Denn erstens sei es so, dass die Abgeordneten, die sich nicht in öffentlichen Sitzungen befinden, nicht zu faul oder desinteressiert seien, sondern meistens anderweitig mit Besprechungen beschäftigt seien und zweitens „sind Abgeordnete ja idealerweise ein Abbild der Gesellschaft, und da gibt es solche und solche“.

Aber nicht nur aus solchen Gesprächen lernte ich eine Menge, sondern auch, wenn ich in den Fraktionssitzungen und Besprechungen dabei sein durfte und durch die Übersetzungen in den verschiedensten Sprachen zu hören konnte. Besonders interessant war für ich das zweitägige Seminar für die sozialdemokratischen Abgeordneten des Fischereiausschusses, zu dem Experten, Wissenschaftler und Fischer aus verschiedensten europäischen Ländern eingeladen wurden, um die Probleme der Überfischung und mögliche Lösungsansätze zu erläutern. Das Thema erwies sich als deutlich spannender als erwartet und für mich wurde während dieses Seminars deutlich, wie es zu den unzähligen EU-Verordnungen kommt, die wir als EU-Bürger dann auch tatsächlich erfahren. Zudem hatte ich dabei das Glück, dass diese, die Abgeordneten und ihre Assistenten zu einem Abendessen eingeladen wurden, was für mich eines der Highlights während meines Aufenthalts wurde. Ich saß an einem runden Tisch mit Eckehard, einer portugiesischen Mitarbeiterin des Ausschusses, einer griechischen und einer französischen Assistentin, einer spanischen Abgeordneten und ihrer Assistentin und neben dem dänischen Abgeordneten und seinem Assistenten. Das war für mich Europa! Jung, unterhaltsam und äußerst multikulturell.

Außerdem durfte ich noch in der Fraktionssitzung der Sozialdemokraten dabei sein, in der Martin Schulz sich als Vorsitzender verabschiedete und Stimmen für die Wahlen zum Präsidenten des Europäischen Parlaments sammelte (die er übrigens gewann), und in der die drei Kandidaten für seine Nachfolge ihren „Wahlkampf“ beendeten.

Die Woche für mich war wirklich überaus interessant und bereichernd, da ich tiefe Einblicke in die Arbeit des Europäischen Parlaments, seiner Abgeordneten und deren Alltag erlangen konnte. Überraschend war für mich, wie selbstverständlich ich bei jeglichen Gesprächen dabei sein durfte, sei es bei Vorbereitungsgesprächen im Ausschussvorsitz oder im Austausch mit dem niederländischen Botschafter zur EU, die mir alle wirklich sehr aufgeschlossen begegneten. Ein wirklich tolles Erlebnis für mich und ein großes Dankeschön an alle, die mir dies ermöglicht haben!

Gwinyai Machona
20.01.2012


© Photo: Europäisches Parlament


© Photos: Europäisches Parlament

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