Raumwirksamkeit des Designer Outlet Center (DOC) Neumünster – Chancen und Risiken des Standorts

Das inmitten Schleswig-Holsteins liegende DOC Neumünster soll der Wirtschaft und der alternden Gesellschaft zur Rehabilitation durch Designerkollektionen aus der vergangenen Saison verhelfen.

Doch zu welchem Preis?





Konzept und Planung des Designer Outlet Centers in Neumünster

Das am 20.09.2012 eröffnete Designer Outlet Center (DOC) im Stadtteil Wittorf in Neumünster ist eines von 21 Outlet Centern des McArthurGlen Unternehmens in acht Ländern. Es investierte insgesamt 120 Millionen Euro in das Projekt.

Gegen das Designer Outlet gab es seit Beginn der Planung großen Widerstand, sodass sich die Zeit der Planung auf elf Jahre hinauszögerte. Viele kleinere Nachbarstädte wie Rendsburg und vor allem die Einzelhändler Neumünsters legten Protest gegen den Bau des Centers ein, da sie in ihm eine zu starke Konkurrenz sahen und einen Kaufkraftverlust befürchteten.

Planungsanlass war, die oberzentrale Funktion als bedeutender Einzelhandelsstandort in zentraler Lage in Schleswig-Holstein zu stärken und eine Baufläche für ein Outlet Center auszunutzen. Ziel sollte es sein, eine 20.000qm² große Verkaufsfläche mit ca. 1.600 Stellplätzen und einer guten Verkehrsanbindung zu schaffen, die die zu erwartenden Verkehrsmengen aufnehmen kann. Der westliche Teil des Geländes ist für das Outlet-Center, der östliche für die kostenfreien Autostellplätze gedacht, die über zentrale Zu- und Abfahrten zu erreichen sind.



Das Designer Outlet Center von Neumünster wirbt mit seiner Lage direkt „vor den Toren Hamburgs“ und glänzt mit einer Freiluft-Mall und Einkaufsstraßen im „Village Style“. Durch epochenübergreifende Architektur soll eine Wohlfühlatmosphäre bei den Besuchern hervorgerufen werden. Weiße Balustraden, die einem dänisch-norddeutschen Stil nachempfunden sind, schmücken die Mall. Der zentrale Platz wird von einem Caféhäuschen im Stil des Wiener Eisenhistorismus verschönert, in dem sich die größte Kaffeehauskette der Welt  eingemietet hat.
Am größten Platz steht ein Rathaus mit doppeltem Giebel und einem Uhrenturm. Ein kirchenähnliches Gebäude mit grünlich schimmerndem Kupferdach ist in dem „dörflichen“ Ensemble vorhanden. Insgesamt ist es in einer detaillierten Struktur mit vielen Plätzen zum Entspannen aufgebaut.



Das einheitlich geplante, realisierte und gemanagte Outlet Center bietet Waren zweiter Wahl, Überbestände, Retouren und Artikel der letzten Saison an.  Alle Designerstücke werden das ganze Jahr über in der räumlich zusammenhängenden Anlage mit einem Rabatt von 30% bis 70% unter der unverbindlichen Preisempfehlung angeboten.                                

Knapp 20.000 m² umfasst die gesamte Verkaufsfläche, auf der vorwiegend Luxus-Lifestyle Artikel angeboten werden.
Das Designer Outlet Center muss sich an strenge Richtlinien halten. Die Geschäfte dürfen weder Drogerie- und Parfümeriewaren noch Lebensmittel und Bücher sowie Waren aus der aktuellen Saison verkaufen. Dies wird durch regelmäßige Kontrollen eines unabhängigen Gutachters der Stadt garantiert. Einige der verfügbaren Verkaufsflächen wurden bewusst noch nicht vermietet, da sich die 860 Marktpartner des Unternehmens oftmals erst nach der Eröffnung entschließen, die Flächen anzumieten. 



Als Zielgruppe dieses Centers gelten nicht nur die Mittel- und Oberschicht der Region, sondern auch die z.T. ausländischen Touristen. In Kooperation mit Hotels in Neumünster hält das Designer Outlet Center spezielle Angebote bereit. In Zusammenarbeit mit Reise-, Fähr- und Busunternehmen werden für Touristen in Hamburg aus aller Welt Tagestouren zum DOC organisiert.

Die zulässige Nutzung des Areals wurde von vornherein festgelegt. Es soll als Direktverkaufszentrum für Markenartikel fungieren. Des Weiteren ist das Center familienfreundlich gestaltet, so gibt es zwei Kinderspielplätze, Wickeltische und einen Raum zum Stillen. Im Informationscenter können Wagen für Kinder, die so genannten „Kids Cabs“, ausgeliehen werden. Außerdem gibt es für sie auch zahlreiche Bekleidungsgeschäfte. Es wurde besonderer Wert auf Barrierefreiheit gelegt. In den Straßen sind überall Sitzmöglichkeiten zum Ausruhen in gemütlicher Atmosphäre zwischen Bäumen und Dekoration zu finden.

Zur Orientierung wurden an den zwei Haupteingängen Schautafeln mit einem genauen Lageplan aufgestellt.



Zudem weisen Schilder an den Straßenkreuzungen den Weg. Ebenso stehen zwei Geldautomaten zur Verfügung. Um der Abfallverschmutzung vorzubeugen, wurden viele Mülleimer für die Besucher bereitgestellt, die sich gut in das Gesamtbild einfügen.
Das Outlet Center zeigt sich zukunftsorientiert. So stellt es kostenloses WLAN zur Verfügung. Geöffnet hat das Designer Outlet Montag bis Samstag von zehn bis zwanzig Uhr, an Sonn- und Feiertagen hat es geschlossen.

Standortfaktoren

„Für den Erfolg im Einzelhandel sind drei Dinge wichtig: 1. der Standort, 2. der Standort und 3. der Standort.“  Quelle

Die zentral gelegene Stadt Neumünster ist heute sehr dienstleistungsorientiert und reizvoll für Investoren, da die Stadt eine sehr gute Verkehrsanbindung durch die A7 von Hamburg nach Skandinavien und die A 215 in Richtung Kiel und zu den Ostseefähren bietet.
Die internationale Anbindung wird auch durch den Flughafen in Hamburg, in geringerem Maße durch den Flughafen Blankensee in Lübeck gewährleistet.
Begünstigt durch die Lage zwischen Nord- und Ostsee kann auch die geringe Entfernung zum Nord-Ostsee-Kanal als Standortvorteil gesehen werden.

Der ÖPNV aus Lübeck, Hamburg und Kiel, um nur einige Städte zu nennen, kann genutzt werden, um nach Neumünster zu gelangen.
Aus Städten wie Bad Segeberg, Bad Oldesloe und Büsum bietet sich die Bahn als Zubringer an, die
Stadt ist an einem Eisenbahnknotenpunkt gelegen.

Mehrere Logistik-Unternehmen haben sich in Neumünster angesiedelt. Die Deutsche Post DHL betreibt ein Frachtzentrum in Neumünster.

Ebenso spielt der Tourismus im Binnenland eine große Rolle in Schleswig-Holstein, denn jährlich besuchen knapp sechs Millionen Touristen diese Region.

Neumünster ist der größte Messestandort in Schleswig-Holstein. Messebesucher sind zusätzliche potentielle Käufer und stellen somit einen weiteren positiven Standortfaktor für Investoren da.

Ansprechend ist zudem die serviceorientierte Betreuung durch die Stadt und die regionale Wirtschaftsförderung.
Investoren werden durch Bereitstellung attraktiver Gewerbeflächen mit geringen Flächenkosten und im Vergleich zu anderen Standorten relativ niedrige Arbeitskosten angezogen.

Kundeneinzugsbereiche

Durch die gestiegene Mobilität im Rahmen der Versorgung mit mittel- und langfristigen Bedarfsgütern kommt es zu räumlichen Austauschbeziehungen zwischen Einzelzentren und Wohnort der Nachfrager. Das Bestreben steigt, mehr Zeit und mehr Weg für Einkauf, Arbeit, Dienstleistungsinanspruchnahme und Freizeitgestaltung zu investieren. Die Nachfrager bevorzugen jedoch meistens den Einkaufsstandort mit der niedrigsten Raum-Zeit-Distanz. Aus diesem räumlichen Spannungsgeflecht resultieren die Einzugsgebiete. Das abgegrenzte  Einzugsgebiet dient als Indikator zur Ermittlung der Einzelhandelskraft Neumünsters, welches als Grundlage zur Ermittlung des externen Nachfragepotenzials dient. Die Angebotsanalyse ermittelt die Zentralitätskennziffer, welche in Relation zur Bevölkerungsanzahl und Kaufkraft der Umlandkommunen gesetzt wird. Dadurch wird die relative Bedeutung Neumünsters als Einkaufsort ermittelt. So wird als Vorausetzung für das Designer Outlet Center eine Norm vereinbart. Im Einzugsbereich von 60 Minuten Fahrzeit müssen mindestens 3 Mio. Menschen leben. Aufgrund dessen kann eine gleichmäßige Verteilung von Angebot und Nachfrage garantiert werden.

Auf der Internetseite des McArthurGlen Designer Outlet Neumünster ist der Menüpunkt Tourismus zu finden. Unter anderem sind auch Hotels in Hamburg und ganz Schleswig-Holstein angegeben, was darauf schließen lässt, dass mit Kunden aus Hamburg und Schleswig-Holstein gerechnet wird, die den Weg  nach Neumünster gern auf sich nehmen. Das Einzugsgebiet reicht von Niedersachsen über Hamburg bis Mecklenburg-Vorpommern. Vor allem zielt das DOC jedoch auf die Anwohner im Umkreis von 90 Minuten Fahrzeit und die Skandinavier auf ihrem Weg nach Süden durch Deutschland. Außerdem wartet man auf Touristen aus China, Russland und aus den Golfstaaten.


Wir danken der Stadt Neumünster für die Erteilung des Copyright.

Die Abgrenzung des Einzugsgebietes Neumünsters erfolgt in 3 Zonen, die ein großflächiges Nord-Süd Einzugsgebiet bilden. Das erste Einzugsgebiet ist das Kerneinzugsgebiet, zu dem das Stadtgebiet Neumünster und Umland sowie die Landeshauptstadt Kiel gehören. Für dieses Kerneinzugsgebiet gelten bis zu 30 Minuten Fahrzeit. Die Kaufkraft beträgt hier etwa 2,4 Mrd. Euro bei ca. 540.000 Menschen.

Das zweite Einzugsgebiet ist das nähere Einzugsgebiet, hier gelten Fahrzeiten von 30–60 Minuten. Zu dieser Zone gehören große Teile Schleswig-Holsteins und die Freie Hansestadt Hamburg mit einer angesprochenen Bevölkerung von ca. 3,5 Mio. Menschen. Die Kaufkraft im näheren Einzugsgebiet liegt bei ca. 18 Mrd. Euro. Diese Zone bietet Raum für Analysen der raumordnerischen und städtebaulichen Auswirkungen.

Das dritte Einzugsgebiet, das Ferneinzugsgebiet, umschließt alle Gebiete, die eine Fahrzeit von 60-90 Minuten beanspruchen, sogar südliche Teile Dänemarks, nördliche Teile Niedersachsens und ein nordwestlicher Teil Mecklenburg-Vorpommerns gehören dazu. Die längeren Fahrtzeiten werden durch die speziellen Angebots-und Preisstrukturen des DOC ausgeglichen. Diese Zone umfasst etwa 1 Millionen Menschen mit einer Kaufkraft von 5 Mrd. Euro. Quelle

Auswirkungen der veränderten Wettbewerbssituation


Durch die Ansiedlung des DOC in Neumünster kann eine Angebotslücke geschlossen und somit die zentralörtliche Funktion ergänzt werden. Sie schafft eine Stärkung des Tourismus, des zielgruppenorientierten Angebots und führt zu nachhaltigen Beschäftigungseffekten und positiven Synergieeffekten.

Die befürchteten und häufig vorgebrachten Folgen für den Einzelhandel halten sich in Grenzen. Ein Großteil der neuen Kundschaft, der die Stadt sonst nicht besucht hätte, kommt wegen des DOC erstmals nach Neumünster. Es gibt also keine negativen Folgen der Centeransiedlung.

Das DOC in Neumünster wird das einzige DOC Norddeutschlands sein, dies führt zu deutlich positiven wirtschaftlichen Entwicklungsimpulsen im genannten Bereich. Des Weiteren gibt es keine relevanten Beeinträchtigungen zentraler Versorgungsbereiche benachbarter Gemeinden. Das Einzelhandels- und Interessenkonzept sichert den Interessenausgleich zwischen Innenstadt, dem DOC und anderen Standorten. Diese Entwicklung kann durch geeignete Marketing-Maßnahmen weiter gefördert werden.

Das Designer Outlet Center stellt eine gute Einkaufsmöglichkeit im Norden dar. Der Standort des Centers ist das Industriegebiet Süd. Es ist weit genug von der Innenstadt entfernt, so dass es der Innenstadt nicht zu stark schadet und dessen Kaufkraft beeinträchtigt. Neben dem Standort spielen auch der Mietermix bzw. das Warenangebot eine wichtige Rolle. Dadurch werden andere Käufergruppen angesprochen bzw. andere Bedürfnisse gedeckt.



Einen weiteren positiven Effekt des Centers stellt seine Anziehungskraft auf Touristen und weiter entfernt wohnende Menschen dar, denn diese werden durch das Center nach Neumünster gelockt. In Zukunft kann das Outlet der Innenstadt somit sogar zugutekommen: Kunden des DOC sollen im Anschluss an ihren Center-Besuch in die Innenstadt gelockt werden. Deshalb soll hier das gastronomische Angebot, wie auch das gesamte Umfeld verbessert und attraktiver gestaltet werden.

Der
Arbeitsmarkt in Neumünster

Vor der Ansiedlung des DOC war der Arbeitsmarkt Neumünsters uneinheitlich.
Nach einem Rückgang der Arbeitslosigkeit in Neumünster auf 6,4% im Dezember 2010 von anfänglichen 7,5% gegen Ende 2009 fing diese wieder an zu steigen und lag im Januar 2011 bei 7,3%. Da schwankte die Quote stark. Im Januar 2012 betrug die Arbeitslosenquote 6,8%. Quelle

Trotz dieser Arbeitslosigkeit gibt es Mangel an Arbeitskräften in vielen Bereichen, besonders bei den Produktionsarbeitern und Handwerkern, die 28,2% der Stellenangebote einnehmen.

Außerdem gibt es in Neumünster vermehrt Baumaßnahmen, die einen ansteigenden Bedarf an Handwerkern und Produktionsarbeitern hervorrufen, um den Bedarf zu decken.

Deswegen wird das DOC von der Stadt Neumünster auch befürwortet.
Es bringt viele neue Jobmöglichkeiten in Bereichen, die zuvor nicht vorhanden waren. Vor allem werden viele neue Arbeitsplätze im Verkaufs- und Marketingsektor generiert.

Dazu gehören Stellen wie "Shop Manager", "Kundenberater", "Assistant Store Manager", "Sales Associate", "Verkaufspersonal", "Store Manager", "Sales Assistants", "Outfitberater", "Aushilfe", "Verkaufsberater", "Store Staff", "Retail Manager", "Shop Leitung", "Verkaufskraft".

Durch Maßnahmen wie die strikte Regulierung der gastronomischen Angebote im DOC (nur 10% der dortigen Angebote dürfen gastronomischer Natur sein) sollen Besucher in die Innenstadt gelockt werden. Somit werden auch dort neue Arbeitsplätze geschaffen, da sich gastronomische Unternehmen dort ansiedeln werden.

Dieses Vorhaben birgt jedoch auch Risiken.
Es liegt nahe, dass durch das DOC viel Marktanteil gebunden wird und dadurch bereits bestehende Unternehmen, die mit dem DOC konkurrieren, jedoch nicht mithalten können, Konkurs anmelden müssen.
Dies würde zu einem Verlust an bestehenden Arbeitsplätzen führen, was zu großem Widerstand gegen das DOC seitens der Stadt Rendsburg und anderer Nachbarkommunen führte.

Es wird erwartet, dass die Verluste gering ausfallen und die neuen Arbeitsplätze die Verlorenen um ein Vielfaches übersteigen.
Eine andere Befürchtung ist jedoch, dass der Großteil der Anbieter im DOC aus dem Ausland ist, und dadurch würde die Konkurrenz lokale Anbieter verdrängen.

Alles in allem soll das DOC dem Arbeitsmarkt neuen Schwung und Wind geben und viele neue Arbeitsplätze direkt und indirekt schaffen.
Trotz der Risiken wird dies in Kauf genommen.

Eröffnung des Designer Outlet Center am 20. September 2012

Demographische Aspekte

Der demographische Wandel in Neumünster ist kaum noch zu übersehen: Die Bevölkerung altert stark. Bis 2025 sinkt die Zahl der Jugendlichen um 23%. Die ältere Generation ab 79 wächst um 51%. Die Aufgabe der Politik und der Stadt ist es, die Herausforderung des demographischen Wandels mit der älter werdenden Gesellschaft und den geringen Geburtenraten zu gestalten.
Es sollen neue attraktive Wohnstandorte neben zukünftigen Arbeitsplätzen entstehen. In Neumünster stehen momentan mehr als 2500 Wohnungen leer, die Meisten davon in der Innenstadt, welches ein nicht sonderlich attraktives Stadtbild entstehen lässt. Mehr als die Hälfte der Wohnungen wurden zwischen 1949 und 1979 gebaut, sie sind schon deutlich in die Jahre gekommen und entsprechen nicht mehr den heutigen Standards. Plan der Stadt ist nun also die alten Häuser und Wohnungen zu renovieren, damit sie wieder attraktiver werden. Es sollen weniger leer stehende Wohnungen geben, welches eine Verbesserung des Wohnungsmarktes zur Folge hätte. Das Image der Stadt Neumünster als Wohnstandort soll deutlich verbessert werden. Nebenbei wird geplant, das Stadtbild zu optimieren, eine neue Sicherheit der Nahversorgung und der sozialen Infrastruktur in den Wohnquatieren, es soll neue Freizeitangebote geben und neue Grün- und Erholungsflächen entstehen. Um Neumünster besonders attraktiv werden zu lassen, sollen Wegzügler gefragt werden, wieso sie die Stadt verlassen. Dadurch kann sich die Stadt ein genaues Bild verschaffen, was verändert werden muss.
Das Ziel der K.E.R.N-Region (Kiel – Eckernförde – Rendsburg – Neumünster) lautet: „Lebensqualität ein Leben lang“. Bei vielen Bürgern herrscht der Wunsch, möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Daher wollen sie den Dienstleistungsbereich der Altenpfleger besonders gut ausbauen. Die alten Menschen sollen zuhause versorgt werden und eine altersgerechte Wohnung gestellt bekommen. Nebenbei soll die Sicherheit und Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen für mehr Lebensqualität im Alter sorgen. Dadurch entstehen auch neue Arbeitsplätze für junge Menschen. Viele von ihnen ziehen aus Neumünster weg, da die Stadt für sie nicht sonderlich attraktiv ist. Die Nachwuchskräfte werden knapper, und in den Betrieben herrscht ein starker Ü50-Überschuss.

Der demographische Wandel in Neumünster ist ein unumkehrbarer Entwicklungsprozess. Die Bevölkerung wird schrumpfen und sich in ihrer Struktur nachhaltig verändern. Die Menschen leben länger als früher, und die Geburtenrate sinkt stark. Die Demographie bringt jedoch nicht nur negative Faktoren mit sich. Positive Aspekte sind beispielsweise, dass sie Arbeitslosenquote sinkt, es  einen Beschäftigungszuwachs
gibt und immer mehr Menschen  aus beruflichen Gründen nach Neumünster pendeln. Der Wandel in den Bereichen Wohnen, Gesundheitsversorgung, Bildung etc. lässt sich schwer verhindern, die Stadt und die Politiker bemühen sich jedoch, die Stadt möglichst attraktiv und interessant zu gestalten.
Durch die Neueröffnung des Designer Outlet Centers werden Touristen auch aus anderen Ländern wie z.B. Dänemark angezogen. Zusätzlich werden neue Arbeitsplätze geschaffen.

Im Interview am 20.09.2012: Der Leiter des Stadtplanungsamtes Bernd Heilmann

Heftige Diskussionen und Widerspruch aus der damaligen FDP/CDU Opposition kamen auf, selbst SPD-Kollegen des Stadtherrn waren skeptisch, als das DOC im Gespräch war. Auch die Stadtplanung war dagegen, ein Zentrum dieser Art würde den Einzelhandel der Region keineswegs fördern. Sie stand damit im Konsens mit der Landesplanung Schleswig-Holsteins, die ebenfalls Bedenken anmeldete.
Ein Shopping-Center dieser Art sollte sich nur in Oberzentren ansiedeln, um die Stabilität des Einzelhandels in Unterzentren zu halten.

Es sprach andererseits vieles für eine Ansiedlung des DOC.
Als eine der Binnenstädte des Bundelandes SH lag Neumünster sehr zentral im Landesinneren und profitierte nicht vom Nord- und Ostsee-Tourismus.
Als „die graue Maus des Landes“ bezeichnet Herr Heilmann die Stadt und sagt: „Alle fahren dran vorbei nach Flensburg oder Kiel, aber keiner fährt freiwillig nach Neumünster […]“. Für die Stadtplaner war es folglich schwierig, einen Imagewandel des Ortes zu schaffen.
Das Projekt gewann daher zunehmend an Attraktivität für die Stadtplanung, besonders deshalb, weil das Grundstück des heutigen Centers damals als Industriegebietsfläche von der Stadt ausgewiesen war und günstig lag.

Um die Bürger der Stadt über die Planung eines derartigen Centers auf dem Laufenden zu halten, wurde die Bürgerschaft bei einem Treffen der Bürgerinnen und Bürger in der Stadthalle ausgiebig informiert. So etwas nennt man Öffentlichkeitseinbezug und ist bei größeren Sonderbebauungsplanungen dieser Art zwingend notwendig.
Das Ergebnis: Viele Einwohner sprachen sich bei einer Stimmabgabe für das DOC aus, obwohl der Einzelhandelsverband Bedenken anmeldete.
Nach fünf  Jahren bekam Neumünster die Erlaubnis zur Ausschreibung des neuen Einzelhandelsstandorts, das McArthurGlen-Unternehmen erhielt den Zuschlag.

"Für die Finanzen der Stadt Neumünster war es ein Glücksfall", so der ehemalige Bürgermeister Unterlehberg heute. Durch die neue Konkurrenz steigerte sich der Verkaufspreis des Baugrundstücks von zunächst 3,5 Millionen Euro auf knapp 16 Millionen Euro, die bis heute in die Stadtkasse geflossen sind. Die Einnahmen dienten der Verbesserung der Infrastruktur.

Die Stadtplanung hat wesentlichen Anteil am Konzept des Designer Outlet Centers. Nur 10 % Gastronomieverkauf wurden ihr von der Stadtplanung zugesprochen. Das innenstädtische Gastronomieangebot soll dadurch geschützt werden. Ein geplantes Einkaufszentrum in der Innenstadt soll außerdem einen Ausgleich schaffen und das urbane Leben reaktivieren bzw. aufrechterhalten.

Die Stadtplanung sieht die neue Einkaufsmall als Chance und nicht als Risiko, genauso wie Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer.
Der erste Tag scheint erfolgreich gestartet worden zu sein, roter Teppich und brechend volle Parkplätze jedenfalls haben das Interesse der Kunden bestätigt.  Ob sich die Prognose von zwei Millionen Besuchern pro Jahr bewahrheitet, wird sich zeigen.

Die Historie des Stadtwappens und Gestaltung eines neuen Symbols


Im Rahmen der Geschichtsaufgabe sollten wir den oberen Teil des Wappens der Stadt Neumünster neu gestalten, da diese in den letzten Jahrzehnten einen Strukturwandel vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort erlebt hat.
Wir entschieden uns dafür, den oberen Teil des Wappens zweizuteilen. Auf der linken Seite haben wir das alte Bild, auf dem die Türme der Industriegebäude abgebildet sind, gelassen und einen Hammer darüber gesetzt, der hier für den Niedergang der Industrie, besonders der Textilindustrie, steht.



Auf der rechten Seite haben wir eine Kreditkarte eingefügt, auf der ein Globus abgebildet ist. Die Kreditkarte steht für den Handel und den Wettbewerb, der jetzt, auch durch das DOC, eingetreten ist. Der Globus soll darstellen, dass Neumünster nicht nur regionale, sondern auch überregionale Geschäfte betreibt und weltweite Beziehungen pflegt.

Fazit:

Unserer Meinung nach ist das DOC eine Bereicherung für Schleswig-Holstein. Es stellt im Norden eine einmalige Attraktion dar und ist ein zusätzliches Ausflugsziel. 


Durch das Center wird der Norden nicht nur für Touristen interessanter, auch für die Einwohner Schleswig-Holsteins ergeben sich zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten. Darüber hinaus hat das Center eine positive Wirkung auf den Großraum Neumünster. Es werden Arbeitsplätze geschaffen, und höhere  Steuereinnahmen fließen in die städtischen Kassen.

Andererseits wird die Ansiedlung des Designer Outlet Centers auch eine große Konkurrenz für die Geschäfte in der Innenstadt Neumünsters und im Großraum darstellen. Eventuell werden potenzielle Käufer abgeworben, Geschäfte verlieren einen Teil ihrer Kundschaft und müssen im schlimmsten Fall schließen. Dann gehen natürlich auch Arbeitsplätze verloren.

Besuchen Sie das Designer Outlet Center in Neumünster, um sich Ihr eigenes Urteil zu bilden!


© http://www.wordle.net/
Autoren: Schüler und Schülerinnen der Klasse 12b
Geo
graphie im gesellschaftswissenschaftlichen Profil
Leitung: Susan Wessin

Die vorliegende Untersuchung und Dokumentation wurde während der Projektwoche des 12. Jahrgangs (17. - 21. September 2012) der Thomas-Mann-Schule fächerübergreifend erarbeitet.



Am 20. September 2012 besuchten die Schüler und Schülerinnen der 12b in Begleitung der Projektlehrkräfte das Designer Outlet Center in Neumünster und nahmen an der Eröffnung teil. Sie erkundeten in Gruppen vor Ort die vorher festgelegten Themen und dokumentierten ihre Ergebnisse.



Während des Rundgangs wurden Interviews (u.a. mit dem schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Reinhard Meyer, s.u.) geführt und kurze Animationsfilme gedreht.



Eine Gruppe hatte sich am Nachmittag zu einem Gespräch mit dem Stadtplaner Herrn Heilmann im Stadtplanungsamt in Neumünster verabredet.

Am Ende der Projektwoche wurden die Ergebnisse dem 12. Jahrgang und interessierten Zuhörern in einem Powerpointvortrag präsentiert.



Die spätere Bearbeitung der Materialien (Aufzeichnungen, Mitschriften, Fotos, Film, Quellen usw.) für diese Internetdarstellung erfolgte im  Geographieunterricht.



Wir danken allen, die unsere Arbeit unterstützt haben.


Fotos: © Schüler und Schülerinnen der 12b / S. Wessin -  Thomas-Mann-Schule




Die Schwerpunkte der drei beteiligten Fächer:

Geographie / Susan Wessin
Standortfaktoren - Das Konzept des DOC - Stadtplanung / Flächennutzung
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt  - Stärkung der KERN-Region     
Kundeneinzugsbereiche - Auswirkungen auf den Tourismus
Demographische Aspekte
 
Wirtschaft/Politik / Ludwig Schönrock
Vor- und Nachteile der Ansiedlung des neuen Wettbewerbers DOC auf Anbieter und Nachfrager  - Mögliche Auswirkungen der veränderten Wettbewerbssituation auf Unternehmen und Haushalte in der Region

Geschichte / Dr. Meike Wulf
Die Historie des Stadtwappens – Gestaltung eines neuen Symbols


Quellen:

BEREKOVEN, Ludwig: Erfolgreiches Einzelhandelsmarketing. Grundlagen und Entscheidungshilfen. München 1990, S. 351

LEYDECKER, Karin: Hohle Häuschen zum Wohlfühlen, Süddeutsche Zeitung, 17.09.2012

SUPP,
Barbara: Die beste aller Welten, Der Spiegel 40/2012, S. 58

McArthurGlen Designer Outlet Neumünster -  die offizielle Website

Stadtmagazin Neumünster - Demografischer Wandel in Neumünster - Letzter Aufruf 20.01.2013
Kursportal Neumünster - Demografischer Wandel - Mitarbeiter 50 plus
Bundesagentur für Arbeit - Statistik - Neumünster, Stadt
Jobmaschine Designer Outlet Center Neumünster - LN-online 08.08.2012

LENZ, Natascha, Factory-Outlet-Center: Einkaufsinsel Deutschland, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2012

Neues "Schnäppchenparadies" öffnet seine Tore, Hamburger Abendblatt, 19.09.2012

BEGRÜNDUNG ZUR 32. ÄNDERUNG DES FLÄCHENNUTZUNGSPLANES 1990 - SONDERGEBIET ODERSTRASSE FOC - Der Oberbürgermeister  - Fachbereich IV Stand: 4. September 2007
- Fachdienst Stadtplanung - Anlagen: 61   Brachenfelder Straße 1 - 3

Raumordnerische und städtebauliche Verträglichkeitsanalyse einer geplanten Ansiedlung eines Factory Outlet Centers in Neumünster, Junker und Kruse Stadtforschung - Planung
Markt 5 44137 Dortmund  - Stand: Februar 2007
Wir danken der Stadt Neumünster für die Erteilung des Copyrights.

Diese Seite wurde ausschließlich für den unterrichtlichen Gebrauch konzipiert.
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