Eine Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung

Bericht zum Vortrag „Obama – die ersten 100 Tage des neuen US-Präsidenten“ von Matthias Rüb, dem US-Korrespondenten
der FAZ 

Am 06.05.09 konnten ca. 50 interessierte Schüler der Klassenstufen 10 bis 13 dem FAZ- Korrespondenten in Washington, DC, Herrn Matthias Rüb, bei seinem Vortrag zu Obamas ersten 100 Tagen als US-Präsident zuhören und auch viele Fragen zur neuen US-Politik stellen.

Sofort nach der kurzen Einleitung durch die Veranstalterin, Frau Dr. Petra Beckmann-Schulz,
für die Friedrich-Naumann-Stiftung begann Herr Rüb einige Dinge klarzustellen: Auch die neue US- Politik unter Obama sollte differenziert betrachtet werden, das Pauschalurteil Obama = gut, Bush = schlecht, müsse trotz aller positiven Eigenschaften Obamas nicht zwangsläufig zutreffen. Während immer mehr interessierte Schüler sich in den kleinen Erdkunderaum drängten, führte uns Herr Rüb humorvoll durch Obamas Politik. Trotz dessen rasanten Tempos beim Reformieren ließen sich bisher nur wenige klare Aussagen treffen, da ein Zeitraum von rund 100 Tagen einfach noch nicht lang genug sei, um alles zu beurteilen.

Obwohl Herr Rüb viele positive Aspekte des Regierungsstils des ersten farbigen Präsidenten der Vereinigten Staaten hervorhob, ging er auch auf kontroversere Themen ein. So sei die Schließung von Guantanamo durch Obama medienwirksam hervorgehoben, ein vergleichbares Gefangenenlager in Afghanistan dagegen bisher geschickt politisch übergangen worden.

Nichtsdestotrotz drückte Herr Rüb seine Faszination für den Stil Obamas aus, der medial nahezu perfekt sei und eben auch einen großen Kontrast zum vorherigen, ruppigeren Stil Bush’ darstellte.

Nach dem 20-minütigen Überblick war Herr Rüb offen für Fragen, eine Möglichkeit, die auch mit wachsender Begeisterung von überraschend vielen Schülern wahrgenommen wurde. Die  Fragen der Schülen waren interessant, oft auch komplex, doch dank seines hervorragenden Fachwissens konnte Herr Rüb uns alles sehr anschaulich und ausführlich erklären. Dabei wurden wir auch immer wieder auf zentrale Themen der US- Politik aufmerksam gemacht, die nicht im Rampenlicht der Medien in Deutschland stehen. So verwies Herr Rüb immer wiederholt auf die große Bedrohung, die von Pakistan ausgehe. Während beim Iran gerade das Risiko bestehe, dass dieser eine Atomwaffe entwickeln könnte, habe Pakistan schon an die fünfzig Stück. Da Pakistan außerdem ein von islamischen Terroristen bedrohtes Land sei, könnte der Alptraum der westlichen Welt leicht zur Realität werden: eine große Anzahl  Atombomben in der Hand von radikalen Terroristen. Deshalb unterstrich Herr Rüb die Bedeutung der Führungsrolle in der NATO, die Obama genauso wie sein Vorgänger anstrebe. Dabei vertrat Herr Rüb auch die Ansicht, dass sich nicht alle Konflikte ausschließlich friedlich lösen ließen. Da diese Meinung von einigen pazifistisch eingestellten Schülern nicht geteilt wurde, kam es zu einer noch angeregten Diskussion.

Neben der Sicherheitspolitik stellten viele Schüler Fragen zur Weltwirtschaftskrise. Herr Rüb erläuterte die wichtigsten Aspekte dieser Krise. Obwohl in Deutschland bereits vor zehn Jahren der Untergang der Vereinigten Staaten als Weltmacht verkündet worden sei, habe die aktuelle Krise nochmals verdeutlicht, wie eng die globale Wirtschaft mit den USA verknüpft sei. Eine Krise, deren Auswirkungen zunächst auf die USA beschränkt gewesen seien, habe sich nachher von dort aus über die ganze Welt ausbreiten können.

Auch über die gegenwärtigen Probleme hinsichtlich der US-Währung erhielten wir interessante und verständlich dargestellte Informationen. Herr Rüb wies darauf hin, dass die Ökonomie der Vereinigten Staaten trotz der von der aktuellen Wirtschaftskrise immer noch von großer Bedeutung sei.

Außerdem befassten wir uns mit der Innenpolitik in den USA. Auch wenn Obama noch sehr hohe Zustimmungsraten genieße (als einziger Präsident hatte bisher Ronald Reagan höhere), existierten noch Konflikte, die bisher hauptsächlich mit den Republikanern ausgetragen würden. Dabei gebe es neben den umfangreichen Konjunkturprogrammen vor allem in der  Gesundheitspolitik große Fragen, denn in den USA haben 40 Mio. Menschen keine Krankenversicherung. Obamas erklärtes Ziel sei es, dies zu ändern. Entgegen der meisten Erwartungen in Obamas Allmacht äußerte Herr Rüb Zweifel, dass dieser insoweit Erfolg haben werde.

Außer diesen Hauptthemen informierte uns Herr Rüb noch genau über viele andere Aspekte der US-Politik unter Obama, sodass wir letztendlich auf eine sehr informative und auch interessante Diskussion zurückblicken konnten, die mit nur zwei Schulstunden leider etwas kurz veranschlagt war. Nach den letzten Fotos, die der Organisator Herr Harz noch machte, kehrten wir zurück in unsere Klassenräume. Leider hatten nicht alle das Glück, diesen exzellenten Vortrag zu hören.

Lennart Gau 10a


Der Referent:
Matthias Rüb, Washington-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)

Moderation: Dr. Petra Beckmann-Schulz
Politikwissenschaftlerin und Redakteurin




Herr Matthias Rüb (3.v.r.),  Winfried Harz (rechts) und Schüler der TMS

Foto: © TMS

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