Exkursion in die Hamburger HafenCity

Die HafenCity ist ein neuer Stadtteil, der im Süden der Hamburger Innenstadt auf dem Gelände des ehemaligen Freihafens entsteht und nach seiner Fertigstellung im Jahr 2025 aus zehn Quartieren bestehen wird. Bei den Planungen spielten Hochwasserschutz und Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle.

Im Rahmen des fächerübergreifenden Projektes „Klimaveränderungen – Herausforderung für Politik und Gesellschaft in Geschichte und Gegenwart“ der Fächer Erdkunde, Geschichte und Wirtschaft/Politik besuchte die Klasse Ea am 17.12.2013 die HafenCity Hamburg und nahm an einer Führung zum Thema „Stadt im Klimawandel“ teil.

Geschichte und Entwicklung der HafenCity

Auf dem Gelände der Insel Grasbrook südlich des Hamburger Stadtkerns um den Jungfernstieg entsteht seit dem Jahr 2000 die HafenCity.
Bis 1886 wurde dieses Areal südlich der Innenstadt mit Hafenbecken und –anlagen bebaut. Das gesamte Gelände wurde zum Freihafen, einem abgaben- und zollbefreiten Umschlagplatz, auf dem auch die verschifften Waren gelagert wurden. Zu diesem Zweck entstand anstelle von Wohngebäuden die heute unter Denkmalschutz stehende Speicherstadt.
Ab Mitte der 1960er Jahre, als die aktiven Hafenflächen für den wachsenden Containerumschlag und die immer größer werdenden Schiffe elbabwärts verlagert wurden, entstanden auf den Flächen des Großen Grasbrook, des Wandrahm und Kehrwieder mehr und mehr Industriebrachen.
In den 90er Jahren kaufte die Hansestadt Hamburg sukzessive alle Grundstücke des Speicherstadt- und Freihafenareals auf und entwickelte bis zum Jahr 2000 einen Masterplan zur Bebauung der Fläche. Strukturgebend für den neuen Stadtteil sind die Fleete und Kaianlagen, Hafenbecken und die Speicherstadt, die den Charakter der zehn unterschiedlichen Quartiere prägen.
Die Bebauung der Gesamtfläche von 155 ha erfolgt von Westen nach Osten und Norden nach Süden. Fertiggestellt sind bislang 56 Projekte, 48 befinden sich im Bau. Im Jahr 2015 sollen alle zehn Quartiere fertiggestellt sein.


Das Modell der Hafencity im Kesselhaus

Wohnen und arbeiten

Die Erweiterung der Kerninnenstadt nach Süden um das ehemalige Freihafengelände hat zum Ziel, den Anteil der Wohnbebauung im Kernbereich zu erhöhen. Leitendes Gestaltungsprinzip war und ist eine Nutzungsmischung, d.h. eine Mischung von Wohn-, Arbeits- und Freizeitnutzung der entstehenden Gebäude und Freiflächen, wobei auf die räumliche Trennung der Bereiche bewusst verzichtet wird.

Bei diesem Gebäude am Sandtorkai ist die Nutzungsmischung von außen bereits erkennbar: Die Räume hinter den großen Fensterfronten dienen als Büros, die übrigen als Wohnungen.


Bei diesem Gebäude am Sandtorkai ist die Nutzungsmischung von außen bereits erkennbar.

Das Wohnungsangebot in der HafenCity ist äußerst vielfältig. Es enthält in kleinräumiger Mischung Miet- und Eigentumswohnungen auf unterschiedlichen Preisniveaus. Soziale Ausgewogenheit ist ein wichtiges Anliegen der Hansestadt Hamburg. Deshalb gibt es sozialen Wohnungsbau neben Wohnanlagen im Luxussegment. Für öffentliche geförderte Wohnungen zahlt man pro Quadratmeter ca. 6,- Euro Miete, die teuersten Wohnungen im Marco Polo Tower kosten 11.000 Euro pro Quadratmeter beim Kauf. Auch für Menschen mit spezifischen Bedarfen wie Musiker, Designer, Senioren oder  Behinderte soll es Wohnraum geben.


Der Marco Polo Tower

Nach dem Bauschluss des neuen Stadtteils werden mindestens 45.000 Arbeitsplätze, davon rund 35.000 Büroarbeitsplätze, entstanden sein.
Insgesamt haben sich bereits 450 Unternehmen in der HafenCity angesiedelt, darunter auch viele kleinere und mittlere Firmen – vor allem moderne Dienstleister. Am stärksten vertreten sind die Medien- und Logistikbranche.

Die Elbphilharmonie – Hamburgs neues Wahrzeichen

Das wohl bekannteste Gebäude der HafenCity und ein neues Wahrzeichen Hamburgs ist die noch im Bau stehende Elbphilharmonie an der westlichen Spitze im Bereich Kehrwieder. Das spektakuläre Gebäude mit der Fassade aus gebogenen Scheiben wird auf einem ehemaligen Kakaospeicher errichtet. Die Elbphilharmonie wird nach ihrer Fertigstellung nicht nur zwei Konzertsäle, sondern auch ein Hotel und 45 Wohnungen beherbergen. Das ursprüngliche Budget von 77 Mio. Euro für den Bau hat sich mit über 800 Mio. Euro mehr als verzehnfacht. Bis 2016 soll er schließlich fertig werden, 2017 wird voraussichtlich das erste Konzert stattfinden. Auch ohne die Kosten für Konzerttickets in die Höhe zu treiben, wird sich der Bau der Elbphilharmonie wahrscheinlich rentieren, vermutet unsere Führerin. Die Wohnungen werden zu Spitzenpreisen verkauft werden. Schon jetzt ist der Bau ein beliebtes Touristenziel. Menschen aus aller Welt kommen, um das noch unfertige Gebäude zu besichtigen. Die Skandale um die Kostenexplosion tragen sicher dazu bei.


Die Elbphilharmonie vom Sandtorkai aus gesehen

Infrastruktur

Bildung
Drei Schulen sind auf dem Gelände der HafenCity vorgesehen, zwei Grundschulen und ein Gymnasium. Auch Kitas sind geplant. Die Katharinenschule, eine Grundschule mit angegliederter Kindertagesstätte, am Sandtorhafen steht bereits. Vom Dach des Gebäudes, auf dem der Schulhof untergebracht ist, war am Morgen unseres Besuchs Kindergeschrei zu vernehmen. Es war große Pause.


Die Katharinenschule am Sandtorkai

Als weitere Bildungseinrichtung hat die Universität Hamburg Gebäude für  Architektur- und ingenieurswissenschaftliche Studiengänge im neuen Stadtteil am Lohsepark errichtet.

Verkehr
Mit öffentlichem Personennahverkehr, darunter die Buslinien 6 und 111 und die Verlängerung der U4, wurde sichergestellt, dass der neue Stadtteil gut erreichbar ist. In der HafenCity sollen Fußgänger und Radfahrer Vorrang genießen. Das städtebauliche Konzept sieht breite Fahrradwege und viele Bügel zum Anschließen vor. Auch die Car-Sharing-Angebote leisten einen Beitrag zur Verringerung des Verkehrs und des CO²-Ausstoßes.


 Die Klasse Ea im neu gebauten U-Bahnhof „Überseequartier“

Versorgung
Viele kleine Läden, Restaurants und Cafés, die verstreut über die Quartiere verteilt sind, gewährleisten die Versorgung der Bewohner wie der Touristen. Die Fußgängerzone im Überseequartier ist so konzipiert, dass sie über die Straße Brandstwiete an die bereits vorhandene Fußgängerzone Bergstraße in der Innenstadt anschließt. Über diese 1km lange Einkaufsstraße von Nord nach Süd gelangt man vom Jungfernstieg an der Binnenalster bis zum südlichen Ende der Osakaallee in der Hafencity – ein Brückenschlag zwischen altem Kern und neuem Stadtteil.

Hochwasserschutz
Da die HafenCity und die Speicherstadt oft vom Hochwasser betroffen sind, wenn Sturmfluten den Pegel der Elbe ansteigen lassen, wurden Maßnahmen vorgenommen, um mögliche Schäden zu vermeiden. Alle Gebäude wurden auf einer Art Sockel, Warften genannt, gebaut. Das hat zur Folge, dass das Erdgeschoss erst ab 2-3 Metern Höhe beginnt. Dadurch sind alle neu errichteten Gebäude bei  Hochwasserständen von 7,50 – 8 Meter über normal noch vor Überflutung geschützt.


Der Gebäudesockel aller neu errichteten Gebäude schützt vor Überflutung.


Überflutung

Damit die knappe Fläche in der HafenCity nicht verloren geht, wurden in den Gebäudesockeln Tiefgaragen gebaut. Diese Parkflächen können bei Hochwasser durch spezielle Stahltüren geschlossen werden. Während in den Straßen rund um die Speicherstadt bei Hochwasseralarm alle Fahrzeuge umgeparkt werden müssen, ist das bei den neu gebauten Straßen nicht erforderlich. Südlich des Sandtorkais wurde ihr Niveau angehoben, sodass sie bei Hochwasser befahrbar bleiben. Verbindungsbrücken zwischen den Hochwasserschutzplateaus gewährleisten, dass im Notfall Rettungsfahrzeuge zu den Opfern kommen. Durch diese Möglichkeit bleibt die Verbindung zur Außenwelt selbst bei stärkstem Hochwasser erhalten.


Eine der Verbindungsbrücken, die bei Hochwasser befahrbar bleibt.

Nachhaltigkeit
In der Hamburger HafenCity gibt es unterschiedliche Auszeichnungen für umweltfreundliches und nachhaltiges Bauen. Seit 2007 werden Gold- und Silberauszeichnungen verliehen. Seitdem sind 305.000 qm Bruttogeschossfläche für den Goldstandard vorzertifiziert oder bereits zertifiziert. Die Kriterien hierfür sind:

1. Eine herausragende ökologische Qualität
2. Ein besonders niedriger Primärenergiebedarf
3. Ein vorbildlicher Umgang mit öffentlichen Ressourcen
4. ein besonders gesundheitsbewusster und behaglicher Komfort
Während man zu Beginn der Bebauung mögliche Investoren nicht mit hohen Auflagen abschrecken wollte, ist der Goldstandard für alle jenseits der Osakaallee noch entstehenden Gebäude  vorgeschrieben, ein Beleg dafür, wie attraktiv der Standort HafenCity für Investoren mittlerweile ist.
In der HafenCity sind viele öffentliche Grünflächen vorgesehen. Die dort gepflanzten Bäume verwandeln CO² in Sauerstoff und Wasser. Somit werden die CO² Emissionen im neuen Stadtteil reduziert.

Ea Gesellschaftswissenschaftliches Profil 2013/2014
Mechthild Piechotta-Dworschak
15.1.2014




Exkursion der 11b in die Hafencity - Dokumentation (2012)

Vorbereitung der Exkursion der 11b 2012:
HafenCity Hamburg - Vom Hafen zur City – Städtebauliche Projekte im Hamburger Hafen

www.hafencity.com





 
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