Die 11b besuchte die Hamburger HafenCity
26.04.2012

Wenn Sie als deutscher Tourist im Ausland gefragt werden, in welcher Stadt Sie wohnen und Sie antworten mit "Hamburg", wird sofort die Reeperbahn angesprochen. Der Kiez  ist europaweit bekannt und gibt Hamburg das Image einer Partystadt, wenn auch mit einem etwas anrüchigen Touch.

Doch nun stellt sich die Frage: Kann Hamburg ein neues Image durch die HafenCity gewinnen? – Um u.a. diese Frage zu beantworten, besuchten wir, Schüler der Klasse 11b unter Leitung von Frau Wessin und Frau Koschel, die HafenCity.

Einführung im alten Kesselhaus durch Diplomgeograph Sven Brückner

Um 10.30 Uhr begann unsere Führung. Empfangen wurden wir von Herrn Brückner im alten Kesselhaus der angrenzenden Speicherstadt, das als Informationscenter genutzt wird. Um uns einen Überblick zu verschaffen, begutachteten wir dort zunächst das Modell der HafenCity.

Erster Überblick über die HafenCity am Modell

So erkannten wir auf Anhieb das wohl bekannteste Gebäude der neu entstehenden HafenCity, die Elbphilharmonie, die wir dann draußen aus der Perspektive des Traditionshafens betrachteten. Sie wird auf dem Fundament des Kaiserspeichers A erbaut, soll als multifunktionale Konzerthalle dienen und bietet außerdem Wohnraum, einen Supermarkt und ein Hotel. Nicht nur die negativen Schlagzeilen über die Bauverzögerung und den enormen Kostenanstieg machten das Bauwerk so bekannt, sondern vielmehr die Architektur. Der moderne, gläserne Gigant ähnelt dem Bug eines Schiffes und soll das neue Wahrzeichen Hamburgs werden, vergleichbar mit der Oper Sydneys, die weltweit einen hohen Wiedererkennungswert besitzt.

Auf der "schwimmenden Promenade" - im Hintergrund die
Elbphilharmonie

Von dem Traditionshafen aus gingen wir zur „schwimmenden Promenade“, die sich, durch Ketten und Brücken mit dem Festland verbunden, der Wasserhöhe der Elbe anpasst. Von hier aus konnten wir einen weiteren schönen Ausblick auf die Elbphilharmonie genießen. Insgesamt sind alle Promenaden in der HafenCity so erbaut, dass sie dem bisher höchsten Wasserstand Hamburgs aus dem Jahre 1962 mit einer Höhe von 7,50 m ohne Probleme standhalten können.


Auf den Marco-Polo-Terrassen

Im Rahmen unseres Rundgangs besichtigten wir ebenfalls das Quartier Sandtorpark, in dem die Katharinenschule besonders auffällig ist.

Die Katharinenschule

Die Grundschule wurde im Jahr 2009 fertiggestellt und ist als teilgebundene Ganztagsschule konzipiert. Deshalb werden den Kindern ein gemeinsames Mittagessen sowie weitere Aktivitäten angeboten, so dass die Schule bis in die Abendstunden hinein geöffnet ist. Zudem bietet die integrierte Kindertagesstätte eine vielfältige Betreuungsleistung mit flexiblen Betreuungszeiten selbst in den Ferien. Des Weiteren gibt es Bring- und Holdienste für Kinder, was eine erhebliche Entlastung für berufstätige Eltern bedeutet. Die Schule befindet sich in zentraler Lage, ist gut zu Fuß zu erreichen und spiegelt damit das Ideal der HafenCity wider.

Die Marco-Polo-Terrassen mit dem Marco-Polo-Tower

Als nächstes wurden wir in den Grasbrookhafen zu den Marco-Polo-Terrassen geführt. Sie umfassen ein ca. 6400 m² großes Areal, das vorwiegend der Entspannung dient. Gut 1000 m² sind mit Rasen und Bäumen bepflanzt. Aktuell wird der eigentlich schöne Ausblick über den Hafen noch von Baukränen gestört. Angrenzend an die Terrassen steht der vor nun etwas mehr als drei Jahren fertiggestellte, 56 m hohe Marco-Polo-Tower. Er dient ausschließlich dem Wohnen. Auf 17 Etagen erstrecken sich hier ein- und zweigeschossige Luxuswohnungen mit einem außergewöhnlichen Blick über Hamburg und die Elbe.

Unser Weg führte uns nun auf der anderen Seite der Katharinenschule vorbei. Auf deren Südseite konnten wir das Heizkraftwerk betrachten, das einen großen Teil der Energie für die HafenCity Hamburg liefert. Hierzu sollte noch erwähnt werden, dass in der HafenCity besonderer Wert auf umweltfreundliche, nachhaltige Energieversorgung gelegt wird. Es wurde nicht nur ein eigenes ‚Umweltzeichen HafenCity‘ eingeführt, sondern auch ein Wettbewerb ausgeschrieben, der bei der Baukonzeption eine Obergrenze für den CO2-Schadstoffausstoß festlegt. Wegen des Nahwärmeversorgungskonzepts werden hauptsächlich regenerative Energieträger, wie zum Beispiel Geothermie, Biomethan-Brennstoffzellen oder Holz-Blockheizkraftwerke verwendet.

Überseeboulevard mit U-Bahnbaustelle im Hintergrund

Nachdem wir die Überseeallee passiert hatten, erreichten wir den Überseeboulevard, der uns einen Blick auf die entstehende U-Bahnhaltestelle ermöglichte. Diese ist ein Teil der vielfältigen Verkehrsanbindungen der HafenCity. Während der Boulevardbesichtigung fiel uns auf, dass Mülleimer fehlten. „Besucher der HafenCity sollen dazu bewegt werden, eigene Müllreste wieder mitzunehmen“, erläuterte Herr Brückner. Doch dieses Konzept stieß bei uns allen auf Unverständnis, denn wir hatten zurückgelassenen Müll an verschiedenen Sitzgelegenheiten entdeckt.


Klaus-Störtebeker-Denkmal in der Osakaallee

Wir folgten dem Verlauf des Überseeboulevards und bogen schließlich in die Osakaallee ein. Hier stellt das Denkmal des berühmten Piraten Störtebeker einen Blickfänger dar. Nach kurzem Betrachten des Denkmals sowie einer ausgiebigen Diskussion über die damit verbundene Sage wurden wir zur ‚HafenCity Hamburg GmbH‘ (Infopavillon Überseequartier) geführt.


Infopavillon im Überseequartier

Beim Betreten des Flachbaus fiel sofort ein großes Gebilde aus Holzpaletten mit eingebauten Schubladen und Glasplatten in unser Blickfeld,  das sich durch das gesamte Gebäude erstreckt. Hier endete unser Rundgang, nachdem sich Alexis im Namen unserer Klasse für die informative Führung bedankt hatte.

Anschließend besuchten wir den Sitz der Firma Unilever, die sich seit 2009 in der HafenCity befindet und als weltweit einer der größten Hersteller von Verbrauchsgütern bekannt ist. Nicht nur von außen bietet das skulptural geformte Atrium einen architektonischen Höhepunkt.
Auf 25.000 m² BGF befinden sich Büro-, Einzelhandels-, Dienstleistungs- und Gastronomieeinrichtungen des Konzerns, der dort 1200 Mitarbeiter beschäftigt.
Auch für seine „nachhaltige, innovative und effiziente Architektur“ wurde das Gebäude schon mehrfach ausgezeichnet. 2009 wurde es bei den World Architecture Awards in Barcelona mit der Auszeichnung als „Bestes Bürogebäude der Welt“ zertifiziert, außerdem erwarb es das Umweltzeichen HafenCity Gold.
Um die ursprüngliche Frage, ob die HafenCity Hamburg ein neues Image verleihen kann, zu beantworten, zitieren wir hier eine Stellungnahme Jan-Christians:
„Die Stadt gibt Abermillionen Euro aus, um einen neuen prachtvollen Stadtteil zu erbauen. Die Lage ist optimal und die Architekten haben die Gebäude innerhalb der HafenCity originell gestaltet. Während im Kiez vieles von alleine ins Rollen gerät, bemühen sich die Planer der HafenCity um attraktive Standorte und Ausblicke. Die prächtige Elbphilharmonie zieht alle Blicke auf sich.

Damit soll sie das eigentliche Wahrzeichen ersetzen, nämlich die barocke Sankt-Michaelis-Kirche, die am Kiez steht. Der „Michel“ hat mit der Stadt jahrhundertelang Geschichte geschrieben, die Hamburger lieben ihn und fühlen sich mit ihm, mit dem Kiez und mit der Reeperbahn verbunden. Die Elbphilharmonie bricht mit dieser Geschichte und setzt ein neues Bild von Hamburg, das nicht vom Rotlicht geprägt wird, sondern von der Moderne. Es stellt sich die Frage, ob damit erneut Geschichte geschrieben wird und bei den Bürgern eine ebenso starke Identifikation wie beim „Michel“ erreicht werden kann.

Oder bleibt dies nur ein Traum der Architekten, die letztendlich ein Viertel für wenige Neureiche schaffen und das Stadtbild Hamburgs internationaler machen? Und haben sich die Investitionen der Stadt gelohnt, wenn dieser Traum nicht in Erfüllung geht?“


© http://www.wordle.net/
Autoren: Schüler und Schülerinnen der Klasse 11b
Geo
graphie im gesellschaftswissenschaftlichen Profil
Leitung: Susan Wessin

Die Dokumentation mit Texten, Schaubildern und Fotos wurde im Unterricht erstellt.



Gemeinsame Erarbeitung und Vorstellung der Ergebnisse


Fotos: © Schüler und Schülerinnen der 11b / S. Wessin -  Thomas-Mann-Schule

www.hafencity.com





 
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