Informationsabende für Eltern 2008/2009
Beratungslehrer

November 2008

 
Themenabend:

Wo hakt es auch bei toller Begabung?
Chance oder Schicksal?

Was ist eigentlich Intelligenz und wie kann man sie messen?
Was meinen wir mit Hochbegabung?
Wieso können manche Kinder ihre Intelligenz besser nutzen als andere?
Was ist mit sozialer und emotionaler Kompetenz gemeint?

Frau Diplom-Psychologin Gabriele Schmid - seit 11 Jahren im Bereich der Diagnostik und Beratung von Kindern, Jugendlichen und Familien an der Universitätsklinik in Lübeck tätig -
führte interessierte Eltern sehr informativ und vor allen sehr eingehend auf Elternfragen durch den Abend. Vielen Dank! 

Zusammenfassend:
Der Begriff Intelligenz ist überall zu finden: - in der Presse – in der Werbung – in Ausschreibungen und in vielen weiteren Beispielen. Er scheint allgegenwärtig zu sein – bis hin zu „intelligentes Spielzeug für Hunde“. Intelligenz ist positiv belegt und begünstigt eine gute Lebensführung.

Was heißt Intelligenz?
Aus dem Lateinischen übersetzt heißt es Einsicht, Erkenntnisvermögen und Philosophen und Psychologen beschreiben es als ein erfundenes,  komplexes, theoretisches Konstrukt.
Man möchte es messen können, obwohl es im Gehirn keinen „Ort“ hat, wie Schuhgröße, Körpergewicht oder Körpertemperatur auch. 

Was bedeutet Intelligenz?
In der Psychologie ist Intelligenz ein Sammelbegriff für die kognitiven Fähigkeiten des Menschen, also die Fähigkeit, zu verstehen, zu abstrahieren und Probleme zu lösen, Wissen anzuwenden und Sprache zu verwenden. „Intelligenz ist das, was ein Intelligenztest misst.“
(Edwin Guarriges Boring) Intelligenz ist ein stabiles und überdauerndes Merkmal und begleitet den Menschen sein Leben lang. Bis zum Alter von 25 Jahren steigt diese Fähigkeit an, danach fällt sie eher, was aber durch Lebenserfahrung ausgeglichen wird.

Was heißt emotionale Intelligenz?
Z. B. Mayer (2000) stellt vier Hauptkomponenten heraus:
die Fähigkeit...
•    Emotionen genau und angemessen wahrzunehmen, einzuschätzen und auszudrücken,
•    Emotionen zur Unterstützung von Denkvorgängen einzusetzen,
•    Emotionen zu verstehen und zu analysieren und emotionales Wissen effektiv einzusetzen,
•    eigene Emotionen zu regulieren

Was heißt soziale Intelligenz?
Das ist die Fähigkeit, mit den Signalen des Gegenübers umgehen zu können.

Kann Intelligenz verloren gehen?
Anteile von Merkfähigkeiten können durch Krankheit oder durch Unfälle verloren gehen. Die Fähigkeit „Intelligenz“ bleibt aber grundsätzlich erhalten.

Wie kann man Intelligenz messen?
Intelligenztests sind diagnostische Instrumente, die hohen wissenschaftlichen Standards genügen müssen. Sie basieren auf einem Intelligenzkonzept, das von Test zu Test variieren kann. Testverfahren berücksichtigen ebenso den kulturellen Hintergrund sowie die Sprachfähigkeit der Kinder. Emotionale Intelligenz wird eher in sozialen Kontexten gemessen, da es keinen reinen Test für Emotionen gibt.
Z. B. ist Gardners Konzept nicht mit einem Test erfassbar: Eine Vielzahl von Lebenssituationen muss herangezogen werden. Spearman versucht allgemeine und bereichsspezifische Fähigkeiten zu messen.  Cattel misst Problemlösefähigkeiten im Sinne der erworbenen Intelligenz. Diese Tests können helfen, z. B. die richtige Beschulung für verschiedene Kinder herauszufinden oder Gründe für besondere Verhaltensauffälligkeiten aufzudecken.
Weitere Informationen unter www.iqtest.de o.ä.

„Intelligenz“ in Zahlen:

 

Was heißt Hochbegabung?
Ab einem IQ von 130 wird von Hochbegabung gesprochen.

Welche Indizien lassen auf Hochbegabung schließen:
Lernen und Denken:
•    hohes Detailwissen und sehr gutes Verständnis von Zusammenhängen
•    ungewöhnlich ausgeprägter Wortschatz und sprachlicher Ausdruck
•    (frühes) Interesse an Büchern, die weit über dem Altersniveau liegen
•    Bevorzugung selbstständiger Arbeit, hohe Ziele

Arbeitsverhalten und Interessen:
•    starke Vertiefung in bestimmte Probleme
•    perfektionistische Ansprüche
•    Langeweile bis hin zur Arbeitsverweigerung bei Routineaufgaben
Kindergarten und Schule:
•    Langeweile aufgrund von Unterforderung
•    Kein Interesse an altersgemäßen Beschäftigungen bzw. am Lernstoff der Jahrgangsstufe
•    Außenseiterposition, „sich unverstanden fühlen“
•    gilt als Streber oder Besserwisser
Soziales Umfeld:
•    kaum alterstypische Aktivitäten
•    individualistisch
•    oft ältere Freunde
•    intellektuelles Niveau weicht vom emotionalen Niveau ab
•    perfektionistisch und kritisch
Hochbegabte weisen oft ein großes Spannungsfeld zwischen intellektueller und sozialer Entwicklung auf. Dieses muss nicht problematisch sein, ist es aber häufig. Hilfreich kann es sein, die Hochbegabung nicht immer in den Mittelpunkt des Alltages zu stellen. Ein selbstverständlicher Umgang mit der besonderen Begabung hilft, sich als Person zu integrieren und sich auch vor eventuellen Neidern zu schützen.

Wer und was können helfen?
Wenn ein Test erwogen wird, dann sollten konkrete Fragestellungen vorliegen.
Vereine und Vereinigungen:
Mensa (1 von 50), Intertel (1 von 100), Triple Nine Society (1 von 1000), Hochbegabtenförderung e.V.
Kinder/Jugendliche: MensaKids, MensaJuniors
Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) mit Ortsgruppen (Vermittlung von Beratung etc.): Regionalverein SH, z.B. Link zu 4 Beratungslehrern
Förderung in der Schule:
Beschleunigtes Lernen: Vorzeitige Einschulung, Überspringen von Jahrgangsstufen, flexible Eingangsstufe, Unterricht in höheren Klassen
Vertiefendes Lernen: individuelle Aufgabenstellungen, Arbeitsgemeinschaften, zusätzliche Kurse, Teilnahme an Wettbewerben, Kooperation mit Unis, Schülerstudium, Austauschprogramme
Mischformen: Intensivkurse, Verkürzung der Schulzeit (D-Zug-Klassen, G7), Altersgemischte Klassen, Bilingualer Unterricht, Spezialklassen oder Spezialschulen

Welche Faktoren behindern die Nutzung von Intelligenz?
Motivationsprobleme, mangelnde Förderung / Anregung, Aufmerksamkeitsstörungen,
Teilleistungsstörungen: LRS, Dyskalkulie, diskrepantes Leistungsprofil, psychische Störungen: z.B. Asperger-Autismus, Depression, Leistungsängste, Über- /Unterforderung,
Underachievement
Diese Faktoren können dauerhaft oder sporadisch die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.


Marion Link
17.11.2008

Nächster Themenabend:
Mobbingfälle in der Schule
am 19. Februar 2009 
  



 
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