Informationsreihe für Eltern 2007/2008

Ort:
Thomas-Mann-Schule
Cafeteria

 
1. Themenabend: 15. Nov. 2007

Meine neue Schule   -   Schulpsychologische Aspekte
Aller Anfang ist schwer
und / oder
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!?

                                          
Gespannt und erwartungsvoll ließen sich die Eltern auf einen kurzen und nah am Schulalltag orientierten Vortrag von dem Schulpsychologen Herrn Norbert Hartmann ein. Seine gewählten Beispiele ließen viele Eltern verständnisvoll schmunzeln.

Es gab die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen, anonyme Fallbeispiele aus einer schulpsychologischen Praxis zu erfahren, Informationen über Entwicklungspsychologie des mittleren Kindesalters zu bekommen sowie Aspekte zu betrachten, von denen ein Schulerfolg abhängig ist.

Einige interessante Informationen zusammengefasst:

Der Zauber?! Aus der Sicht der Schüler: Sie haben im Wesentlichen die neue Schule nach ganz persönlichen Kriterien ausgesucht: Wo sind meine Freunde? Wie finde ich es hier an dieser Schule? Sie durchlaufen einen Identifikationsprozess und sind auf dem Weg der Verselbstständigung. - Die Eltern erleben das meist anders. Sie wissen nicht mehr alles so wie früher, die Kinder wollen nun alleine gehen. – Die Schule an sich wirkt auf die Schüler sowie das Auskommen mit vielen Kindern. Der/die KlassenlehrerIn hat nicht mehr die Bedeutung einer zweiten Mutter wie an der Grundschule. Die Kinder müssen sich auf viele verschiedene Lehrer und Fachräume einlassen.
Das Schwere?! Die Anforderungen wachsen, nun muss ich mich als Schüler bewähren. Schaffe ich das alles? Plötzlich muss ich üben! Erfahrungen aus der Grundschule, persönliche Einstellungen zur Schule und zur Leistungsbereitschaft  wirken jetzt auf den Schulalltag –  sie können sehr hilfreich aber auch blockierend sein. Wirken sie ermutigend oder eher fordernd? Hier kommt auch der Einfluss der Großeltern zum Tragen.
Der Anfang?! Das Ankommen an der neuen Schule hängt stark davon ab, inwieweit das Ablösen von der Grundschule erfolgt ist. Äußerlich wird der Ranzen durch einen Rucksack ersetzt, innerlich müssen nun starke Gefühle, Neugierde, Ängste und Erwartungen gehalten werden können. Rituale helfen wie eine Abschiedsfeier an der Grundschule und an der neuen Schule die Rallye und die Klassenfahrt zum schnelleren Kennenlernen.
Austausch unter den Eltern: Was finden die Eltern schwierig? Einige Eltern glauben wieder zur Schule gehen  zu müssen! Die Kinder sind doch noch nicht so selbstständig, Lerninhalte werden aus dem Internet benötigt. Der Schulweg ist viel länger als früher. Eltern als Tröster in vielen verschiedenen Situationen.
Was finden die Kinder schwierig? Für einige wird die Zeit für die Hausaufgaben zu lang. Sie wollen spielen. Für andere ist der neue soziale Rahmen (viele Kinder ordnen sich neu in einer Gemeinschaft) schwierig, wieder andere brauchen mehr Zeit, die vielen Fachlehrer (viele Bezugspersonen) kennen zu lernen und sich an die Raumwege (Fachräume) zu gewöhnen.
Aus der Schulpsychologischen Praxis: verschiedene Gründe für Schwierigkeiten:
Es werden zu schwache Leistungen erbracht. Gründe: es liegt eine Überforderung oder eine Unterforderung vor. Weiter treten Schwierigkeiten auf, wenn die Bereitschaft sich anzustrengen nicht auf sich genommen wird. Dieses fällt häufig intellektuellen Kindern schwer. Sie glauben mit der ersten Erkenntnis auskommen zu können und fühlen sich nicht weiter motiviert. Im Falle der Überforderung kann eine Lösung ein Schulwechsel sein. Nach diesem zumeist ungewünschten Wechsel treten häufig gute Leistungen auf. Hier verbirgt sich die Gefahr der Überschätzung, die dann einen Leistungsabfall zur Folge haben kann.
Entwicklungspsychologie: Zeitraum: Einschulung bis zur Pubertät. 1. Ablösungsprozess. Die Kinder beginnen sich aktiv mit anderen zu vergleichen, entwickeln ein autonomes Gewissen (was find ich richtig und gut!). Das Ergebnis dieses Selbstkonzeptes ist sehr abhängig von dem Erziehungskonzept und dem Elternstil: positiver Einfluss: warmherzige Förderung, sich über Autonomie mitfreuen können und dennoch Grenzen / Konsequenzen aufzeigen können.
Was können Kinder in diesem Alter? Alleine den Schulweg bewältigen, sich 20 – 30 Minuten konzentrieren,  Hausaufgaben anfertigen (r/f). Was können sie noch nicht? Die Hirnreife ist noch nicht voll entwickelt, deshalb können sie noch nicht vorausschauend planen und sich organisieren, ausgenommen eingespielter Gewohnheiten. Tipp: Beim Lernen möglichst die Lernbereiche wechseln (nicht zwei Sprachen nacheinander!)
Erfolg in der Schule ist abhängig von: Wahl der richtigen Schulform; familiären Faktoren, Unterstützung durch die Eltern; Leistungsmotivation und Anstrengungsbereitschaft; Frustrationstoleranz; Arbeitsgeschwindigkeit, Denkprozessen; Interessen; Arbeitstechniken; psychischer Stabilität, Angst vs. Sicherheit; Einhaltung der Klassenregeln; Gedächtnis und Speicherung; Fähigkeit zur Selbststeuerung / Kontrolle; positiver Lernumwelt, positive Haltung der Lehrkräfte gegenüber dem Kind; Basisfertigkeiten: Lesen, Schriftsprache, Grundrechenarten; Attribution von Erfolg und Misserfolg; mündlicher Mitarbeit; Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung; Konzentration und Aufmerksamkeit; Kontakt mit KlassenkameradInnen.
Allgemeine Tipps: Im Falle des Tröstens und Aufbauens: Erst emotionalen Trost und Verständnis zeigen und erst dann ein sachliches Gespräch führen. Im Falle von Konflikten mit Lehrern: Kinder nicht in das Spannungsfeld Lehrer und Eltern stellen. Unweigerlich werden sie zu einer Parteinahme gezwungen. Im Falle von Elterntrennungen: Leistung braucht Energie, Lernen ist Anstrengung. Seelische Schmerzen nehmen viel Kraft. Verständnis für langsameres Lernen entgegenbringen und bald wieder Hilfe für Stabilität im Lernen anbieten.

Den Eltern gefielen die praxisnahen Beispiele, das Benennen von „Normalem“, was ein Gefühl der Sicherheit vermittelte und das Erfahren, es geht anderen auch so.
Ihnen, Herr Hartmann, vielen Dank!


Marion Link 19.11.2007


 
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