Praxisnahe Studientips und spannender Forschungsbericht:
Dr. Anja Fischer aus London an der TMS


Am 30.06. besuchte eine ehemalige Thomas-Mann-Schülerin, Dr. Anja Fischer, ihre alte Schule, um – vor rund 100 Oberstufenschülerinnen und -schülern – über ihren beruflichen Werdegang zu berichten. Zu ihrer Schulzeit besuchte sie den bilingualen Zweig der Thomas-Mann-Schule, wo sie von Herrn Harz in Englisch und Erdkunde und von Herrn Resenscheck in Biologie unterrichtet wurde. Im Jahre 2006 gab es erstmals die Möglichkeit, im Leistungskurs Erdkunde ein bilinguales Abitur abzulegen.



Es war schon immer Frau Fischers Wunsch, nach dem Abitur Psychologie zu studieren, weshalb sie sich bei der Zentralen Studienplatzvergabe auf einen Platz bewarb und daraufhin nach Kiel zog. Das Studium verlief jedoch anders als erwartet. Sie hatte bei einem Psychologie-Studium nicht mit einer solchen Vielzahl an Statistik-Einheiten gerechnet. Abhängig von der inhaltlichen Ausrichtung einer Hochschule kann die Zusammensetzung der Kurse von Hochschule zu Hochschule stark unterschiedlich sein, so werden in Hamburg z.B. viel weniger Statistik-Einheiten unterrichtet.

Aus dieser Erfahrung heraus hat Frau Fischer uns den Ratschlag gegeben, sich vor dem Studienbeginn gründlich mit den jeweiligen Stundenplänen der Universitäten auseinanderzusetzen, um zu entscheiden, welcher Studienort am besten für die eigenen Pläne geeignet ist. Nach einem Praktikum in einer Psychiatrischen Klinik stellte sich zudem heraus, dass ihr ehemaliger Wunschberuf nicht Frau Fischers Erwartungen entsprach.

Während einer Vorlesung kam ihr schließlich die Idee zu ihrem tatsächlichen späteren Beruf: Der Dozent berichtete über Krebspatienten, die bereits beim Betreten eines Krankenhauses aufgrund des Geruchs Übelkeit empfanden, obwohl die Chemotherapie ihnen noch bevorstand. Um diesem entgegenzuwirken, gab man den Patienten fortan vor jeder Behandlung ein Getränk mit außergewöhnlichem Geschmack. Es stellte sich heraus, dass die Patienten die Übelkeit nicht mehr auf die Krankenhausgerüche, sondern auf das Getränk bezogen. Doch wurde nicht nur Geschmack und Übelkeit durch dieses Experiment assoziiert, sondern auch auf Zellebene ließ sich nachweisen, dass durch die Koppelung der Chemotherapie mit dem Geschmacksreiz schon allein durch die Gabe des Getränkes ähnliche biologische Veränderungen wie bei der Gabe der Chemotherapie erzielt werden konnten - wenn auch nur in stark abgeschwächter Form. Frau Fischer war so fasziniert von diesem Zusammenspiel von Psyche und biologischen Abläufen, dass sie im Bereich Biologie sowie Neuropsychologie arbeiten wollte. Die nächsten Jahre befasste sie sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit mit dem Zusammenhang von Multipler Sklerose und Depressionen als Interaktion zwischen Hormonen, Immunsystem und zentralem Nervensystem.

Seitdem arbeitet sie als freie Wissenschaftlerin am King’s College London und hat bereits zahlreiche wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht.

Kathrin und Natalia
(Qualifizierungsphase Q1)

Foto: © Katja Scheunemann

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