|
Meine Erfahrungen mit Europa in Brüssel
Vom 9. bis zum
20. Oktober habe ich, Schüler des 13. Jahrgangs, ein Praktikum
beim SPD-Abgeordneten Willi Piecyk im Europäischen Parlament in
Brüssel absolviert. Gleich am
ersten Tag hatte ich die Gelegenheit, an mehreren Sitzungen des
Ausschusses für „Verkehr und Fremdenverkehr“ teilzunehmen.
Dort wurde beispielsweise Halbzeit-Bilanz aus dem Europäischen
Programm für die Straßenverkehrssicherheit gezogen,
über die Vereinheitlichung der Ausbildungsstandards für
Fahrschullehrer und Flugzeug-Crews diskutiert und ein Berichtsentwurf
über Vorschriften für Konstruktionsanforderungen
für Einhüllen-Tanker geprüft. Des Weiteren
habe ich in meiner ersten Woche eine Plenumssitzung verfolgen
können. In dieser Sitzung hat sich der Kommissionspräsident
José Manuel Barroso mit den Parlamentariern über die
Vorbereitung eines informellen Gipfels in Lahti ausgetauscht, der in
der darauf folgenden Woche stattfand. Hierzu hat Herr Barroso über
Themen wie etwa die Verminderung der Abhängigkeit der EU von
Energieimporten und die Schaffung eines europäischen
Forschungszentrums als Gegenstück zum amerikanischen MIT
gesprochen. ![]() Außerdem
haben die Vorsitzenden der jeweiligen Fraktionen vor dem Hintergrund
der Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja dem
Kommissionspräsidenten ihre Meinung erläutert. Ebenfalls
anwesend war Javier Solana, Generalsekretär des EU-Rats und Hoher
Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik
der EU. Herr Solana hat ebenso wie die österreichische Kommissarin
Benita Ferrero-Waldner zu dem Atomtest von Nordkorea Stellung bezogen. In der zweiten
Woche meines Praktikums habe ich von dem reichhaltigen Angebot an
Veranstaltungen in den Räumlichkeiten des Europäischen
Parlaments Gebrauch gemacht, auf denen meist Parlamentsmitglieder
Vorträge über aktuelle Themen ihrer Fachbereiche gehalten
haben. So besuchte ich unter anderem eine Veranstaltung, auf der Andrew
Duff, ein britischer Liberaler, seine Analyse der gescheiterten
Verabschiedung der EU-Verfassung vorstellte und
Lösungsvorschläge präsentierte. Eine andere
Veranstaltung handelte von dem derzeitigen Zustand der
Bürgerfrreiheiten fünf Jahre nach den Terroranschlägen
vom 11. September. Meine Bilanz
dieses Praktikums fällt äußerst positiv aus. Es war
sehr spannend zumindest einen Bruchteil von all den Gebieten
mitzuerleben, auf welchen die Europäische Union bereits heute
zusammenarbeitet. Mir war vor diesem Praktikum längst nicht
bewusst, wie sehr uns „Europa“ ganz unmittelbar in unserem Alltags- und
Berufsleben betrifft. Auch die Rolle des Europäischen Parlaments
hierbei fand ich verblüffend: Ungefähr vierfünftel der
Änderungsanträge, die das EP beschließt, finden ihren
Weg in nationales Recht. Gemessen an diesen Verhältnissen spielt
das Europäische Parlament in den Medien immer noch eine viel zu
geringe Rolle. Besonders gefallen an dem Praktikum hat mir
außerdem die große Nähe zum tagespolitischen
Geschehen, das freundliche und offene Mitarbeiterumfeld von Herrn
Piecyk und die hervorragende Betreuung durch seine beiden Assistenten,
aufgrund welcher ich die zwei Wochen sinnvoll und vollkommen
selbstständig nach meinen eigenen Interessen planen konnte.
Mathias Alt
Fotos: © Mathias Alt Links: |
Thomas-Mann-Schule - Thomas-Mann-Str. 14 - 23564 Lübeck - Tel. 0451/1228614 - Fax. 0451/1228621
Impressum