Lübecker Nachrichten vom 18.09.2005

Zwei Thomas-Mann-Schülerinnen fuhren zum Seminar nach Brüssel


Schauen, wie Europa funktioniert -  Besichtigung des Parlaments, Plausch mit dem EU-Kommissar. Anne Burkin und Lydia Welzel bekamen einen tiefen Einblick ins Reich der Eurokraten.


Anne Burkin (19) und Lydia Welzel (18) von der Thomas-Mann-Schule fuhren vier Tage lang in die belgische Hauptstadt Brüssel. Im Hintergrund der Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Brüssel. Einer von zweien – der Hauptsitz befindet sich in Straßburg


VON OLIVER VOGT

    Europäische Politik in den Nachrichten zu verfolgen, sich theoretisch mit ihr zu befassen, ist eine Sache. Dabei zu sein, wie sie gemacht wird, eine ganz andere. Anne Burkin und Lydia Welzel aus Lübeck hatten jetzt die Gelegenheit dazu. Das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Brüssel und der Europaabgeordnete Willi Piecyk (SPD) hatten die jungen Frauen gemeinsam mit vier anderen Europaschülern aus Schleswig-Holstein vier Tage nach Brüssel eingeladen, um sich einmal direkt zu informieren, wie Europa eigentlich funktioniert.

    Gewisse Abläufe zu verstehen – für Angehörige einer Europaschule, wie die Thomas-Mann-Schule eine ist, sicherlich eine Selbstverständlichkeit. „Aber ich dachte bis dahin immer, da stehen zwei Gebäude, und darin läuft das alles ab“, so die 19-Jährige Anne. Zwei Gebäude sind es nicht – eher zwei Dutzend. Europa – das ist nicht nur ein Kontinent, das ist ein stetig wachsender Verwaltungsmoloch, ein gigantischer Apparat in ultramodernen Bauten aus Glas und Stein mitten im Herzen der belgischen Hauptstadt. Mehr als 30 000 EU-Beamte sind in Brüssel tätig, hinzu kommen geschätzte 15 000 Lobbyisten und ungezählte Sub-Unternehmer.

    Höhepunkt der Reise war für Anne und Lydia ein Besuch im Verkehrsausschuss, bei dem es unter anderem um die Einführung einer „schwarzen Liste“ für unsichere Airlines ging. Schülerin Anne zeigte sich beeindruckt: „Das, was hier besprochen wird, betrifft wirklich uns alle in Europa. Eigentlich merkwürdig, dass das in Deutschland die wenigsten wahrnehmen.“

    Von Brüssel aus gesehen sieht die Welt eben ganz anders aus. Vielleicht war das auch der Grund, warum sich EU-Verkehrskommissar und Kommissions-Vizepräsident Jacques Barrot nach der Ausschusssitzung eine halbe Stunde Zeit für die norddeutschen Schüler nahm und sich ihren Fragen stellte. Um selbst einmal wieder Kontakt zur Basis zu bekommen. Wenngleich den Namen Barrot in Deutschland nicht viele kennen – als einer von 25 Kommissaren, die das Vorschlagsmonopol für sämtliche EU-Rechtsakte besitzen, zählt der Franzose immerhin zu den mächtigsten Persönlichkeiten Europas.


Smalltalk mit EU-Kommissar Barrot

    Dafür zeigte sich der 68-Jährige aber ganz umgänglich, als er mit Anne und Lydia über die EU-Verfassung und seine drei Kinder plauderte. Sogar zu einem Versprechen ließ sich der Kommissar hinreißen: „Ich bin leider noch nie in Lübeck gewesen, aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich die Thomas-Mann-Schule besuchen.“ Wann das sein wird, ließ Barrot indes offen.

    Die 18-jährige Lydia wäre am liebsten gleich in Brüssel geblieben. Bereits vor der Reise hatte sie eine Karriere in Europas Machtzentrale im Auge, aber jetzt steht für sie definitiv fest: „Da will ich hin“. Und Mitschülerin Anne ist überzeugt: „Das sollte sich jeder mal angucken. Ich glaube, die EU hätte einen anderen Stellenwert, wenn die Leute wüssten, was da abgeht.“

Fotos: ©Oliver Vogt, Lübecker Nachrichten, 18.09.2005


Wir danken Herrn Oliver Vogt für die Überlassung des Copyrights.



Lydia und Anne vor dem Gebäude der Europäischen Kommission




Fotos: ©Oliver Vogt

Veröffentlichung auf der Homepage: Susan Wessin  23.9.2005

Bericht der Teilnehmerinnen - veröffentlicht am 11.11.2005
Bericht vom
Praktikum beim EU-Parlamentarier Willi Piecyk

 

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