Thomas-Mann-Schule Europaschule
Profilklasse Französisch    2008 - 2011      Wessin
Apprentissage interculturel -
Interkulturelles Lernen


Europa -
Grenzen überschreiten - Dépasser les frontières

Praktikum im Europäischen Parlament




Mein Praktikum im Europäischen Parlament trat ich in der ersten Sommerferienwoche 2010 an.  Es erfolgte im Büro der SPD-Abgeordneten Ulrike Rodust. Dort wurde ich von ihren beiden Assistenten und Frau Rodust selbst betreut und im Arbeitstag begleitet.

Zur Zeit meines Praktikums fanden Ausschusssitzungen in Brüssel statt. Da Frau Rodust dem Fischerei- und Agrarausschuss angehört, konnte ich an beiden Ausschüssen teilnehmen. Ich saß weiter hinten bei den Assistenten und konnte durch Kopfhörer die Diskussionen in jeder EU-Sprache mit verfolgen. Meist hörte ich der deutschen und englischen Übersetzung zu, manchmal versuchte ich in den Originalsprachen wie Französisch und Spanisch den Sinn zu erfassen. Obwohl so eine Sitzung zwei bis drei Stunden dauert, war es keinesfalls langweilig. Neben den inhaltlichen Aspekten habe ich gerne die Reaktionen und die Vorgehensweise der Abgeordneten beobachtet. Vor dem Praktikum habe ich mich nie ausführlich mit der Fischerei- und Agrarpolitik beschäftigt, doch während des Praktikums ist mir die Bedeutung dieser Politikbereiche bewusst geworden. Es wurden Themen besprochen, die einerseits unmittelbar Europa und uns betreffen und anderseits zu internationalen Beziehungen beitragen. Ein kleines Highlight während der Sitzungen war der Besuch des belgischen Ministerpräsidenten, was mit der gerade begonnenen belgischen Ratspräsidentschaft zusammenhängt.


Yves Leterme, belgischer Ministerpräsident (3. von rechts)

In Ausschüssen ging es um Themen wie Überfischung in Europa (Europa ist zu 88% überfischt!), die Partnerschaft mit den Salomonen, Zusammenarbeit mit Chile, Probleme der Milchbauern usw. Wenn Frau Rodusts Assistent die Sitzung für einige Zeit verlassen musste, war es meine Aufgabe, die Diskussion zu notieren und später zusammenfassend zu berichten. Diese Momente waren besonders spannend, weil ich nicht nur für mich zuhörte, sondern eine nützliche Aufgabe hatte. In der von Ausschusssitzungen freien Zeit habe ich im Büro den Kontaktverteiler für die Fischerei und Landwirtschaft vervollständigt und bin bei mehreren Besprechungen dabei gewesen. In der 12. Etage, wo sich das Büro befand, wurde meist Deutsch gesprochen und man war von Anderssprachigen etwas isoliert. Die Internationalität habe ich erst im Ausschuss und auf der Hauptetage des Parlamentgebäudes gespürt. Es ist schon beeindruckend, so viele Menschen in Aktion zu sehen und eine Zeit lang ein Teil davon zu sein.


Ausschusssitzung

Der erste Tag ist mir am meisten in Erinnerung geblieben, da er mit den meisten Eindrücken verbunden ist. Nach dem langen Arbeitstag im Parlament wurde ich auf den Empfang der deutschen politischen Stiftungen mitgenommen. Dieser fand in einer sehr schönen Lokalität statt, wo einige hundert Menschen versammelt waren. Die Stimmung war wirklich entspannt und angenehm, sodass ich mich mit vielen Menschen unterhalten konnte.  Auch in Gegenwart von Frau Rodust fühlte ich mich wohl. Trotz des vollen Arbeitstages nahm sie sich Zeit, meine Fragen zu beantworten, vom Leben eines Abgeordneten und vom Parlament selbst zu berichten. Die Assistenten, Deike und Eckehard, waren ebenfalls sehr freundlich und hilfsbereit. Mit ihnen habe ich den größten Teil der Zeit verbracht und vieles von ihnen sowie über sie gelernt.


Brüssel - Grand Place

Mein Tagesablauf sah an den vier Arbeitstagen vergleichbar aus. Bis ca. 18 Uhr war ich im Parlament beschäftigt, und danach sah ich mir täglich ein Stück von Brüssel an. Ich habe vier spannende und abwechslungsreiche Tage im Parlament verbracht. Am Freitag ging schon die offizielle Sommerpause los, die Abgeordneten reisten ab und ich hatte die Chance, mir Brüssel näher anzusehen. Dort habe ich die haupttouristischen Punkte aufgesucht und das Magritte Museum besucht. Brüssel schien mir auch eine eher ungewöhnliche Großstadt zu sein. Die ärmeren Stadteile liegen nicht am Stadtrand, sondern sind überall in der Stadt verteilt. Einige Straßen vom europäischen Viertel entfernt findet man sich beispielsweise in einer ganz anderen Welt wieder. Dadurch bekommt man relativ schnell mit, dass Brüssel eine Stadt mit unterschiedlichen Einwohnergruppen und damit großen Kontrasten ist.

Durch das Praktikum habe ich sicherlich vieles über das Parlament, die EU allgemein und die Tätigkeit der Abgeordneten gelernt. Ich habe viele interessante Persönlichkeiten getroffen und die Atmosphäre dieser besonderen Institution geschnuppert. Ich habe auch einfach persönliche Erkenntnisse gewonnen, die man im Alltag nicht findet. Deswegen würde ich jedem raten, seine Interessen zu verfolgen und mit Offenheit an Herausforderungen heranzugehen.

Svetlana Okara
21.08.2010







Auslandspraktikanten Svetlana und Mogue erhalten Stipendien des Vereins der Europaschulen Schleswig-Holstein - 26.03.2010


24/08/2010
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