Thomas-Mann-Schule Europaschule
Profilklasse Französisch    2008 - 2011      Wessin

Apprentissage interculturel -
Interkulturelles Lernen



     
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! -
Die 13s besucht den Deutschen Bundestag


Am Donnerstag, den 11.11.2010, machte sich die Klasse 13s um 9.00 Uhr bei gutem Wetter für einen Tag auf den Weg in Deutschlands Hauptstadt, nicht etwa zum DFB-Pokalendspiel, wie man bei dem Titel durchaus vermuten könnte, sondern um den Reichstag zu besuchen, mit der Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Lübeck, Gabriele Hiller-Ohm (SPD), zu sprechen und um die Ausstellung „Topographie des Terrors“ zu besichtigen.
Es stand also einiges auf dem Programm.

Nach zweieinhalbstündiger Bahnfahrt mit Regionalexpress und ICE (pünktlich!), einer kurzen Fahrt mit der S-Bahn und einem kleinen Spaziergang am Berliner Abgeordnetenhaus vorbei (dort stand ein Karnevalist in voller Montur) kamen wir bei der „Topographie des Terrors“ an.



Das neue Ausstellungsgebäude, das im Mai 2010 eröffnet wurde, befindet sich an dem  Punkt, an dem sich zur Zeit des „Dritten Reichs“ die Zentralen der Geheimen Staatspolizei, der SS und des Reichssicherheitshauptamtes befanden. Die Ausstellung beleuchtet die wichtigsten Einrichtungen des nationalistischen Verfolgungs- und Terrorapparats und zeigt detailliert die Ausmaße der NS-Herrschaft und des Terrors in ganz Europa auf. Dabei bedienen sich die Ausstellungsmacher einer Vielzahl von Fotos und originalen Berichten von NS-Funktionären.



Da wir eine einstündige Führung gebucht hatten, wurden wir  in zwei Gruppen aufgeteilt und von zwei netten Mitarbeitern durch die Ausstellung geführt. Leider blieb die Führung hinter unseren Erwartungen zurück, auch weil die 15 Minuten für den freien Rundgang einfach zu knapp waren angesichts der vielen Exponate. Gern hätten wir uns mehr in die Thematik vertieft.



Im Anschluss ging es fliegenden Schrittes mit kurzem Halt am Holocaust-Denkmal und am Brandenburger Tor vorbei zum Paul-Löbe-Haus, dem Haus der Bundestagsabgeordneten, wo wir um 15.00 Uhr erwartet wurden.


Das Holocaust-Denkmal

Nachdem wir alle ohne Beanstandungen den Sicherheitscheck passiert hatten, bekamen wir dann im Restaurant für Mitarbeiter, Bundestagsabgeordnete und Besucher eine kostenlose warme Mahlzeit und hatten Zeit, uns einen Moment auszuruhen, die Ausstellung „Topographie des Terrors“ Revue passieren zu lassen und uns innerlich auf die Plenarsitzung und das Gespräch mit Frau Hiller-Ohm vorzubereiten.



Angeführt von einer Mitarbeiterin ging es dann unterirdisch direkt vom Paul-Löbe-Haus in das Reichstagsgebäude, wo wir vor dem Plenarsaal unsere Garderobe abgeben mussten, denn als Zuschauer darf man nichts mit hinein nehmen. Daraufhin wurden wir dann von freundlichen Mitarbeitern instruiert, was alles während der Plenarsitzung untersagt ist: Nicht essen und nicht trinken, nicht  fotografieren und nicht einschlafen, denn alles wird mit Kameras aufgezeichnet! Die Würde des Hohen Hauses muss gewahrt bleiben, und so blieb uns: Atmen, Zuhören und Beobachten.


Die 13s mit Frau Hiller-Ohm

Eine Stunde durften wir den Abgeordneten lauschen, als sie  je nach Parteiprogramm und  Fraktionsmeinung unterschiedliche Maßnahmen zum „Ausbau der Elektromobilität“ vorschlugen und sich damit auseinandersetzten, ob gerichtliche Klagen gegen Kinderlärm zugelassen oder durch ein entsprechendes Gesetz für unzulässig erklärt werden sollten. In diesem Bereich gibt es nämlich zunehmend Probleme, weil der Ausbau von Kitas nicht in jeder Nachbarschaft auf Gegenliebe stößt.

Nach dieser einen Stunde waren wir über die Arbeitsweise während der Plenarsitzungen ziemlich erstaunt, wenn nicht sogar erschrocken. Denn abgesehen von der Rede des ehemaligen Verkehrsministers Wolfgang Tiefensee, der rhetorisch und auch im Auftreten absolut souverän war, lasen die meisten Redner monoton von einem Zettel ab und lieferten inhaltlich wenig Überzeugendes. Auch Zwischenrufe wie „Kommt noch was Sinnvolles?“ oder die ständigen Gespräche mit anderen Bundestagsabgeordneten aus der eigenen Partei irritierten uns, da wir in der Schule gelernt haben, dass man dem anderen aufmerksam zuhören soll. Dass viele Abgeordnete nebenbei auf ihren iPads spielten oder bei Facebook oder Twitter „posteten“, erstaunte uns nicht minder.
In unserem einstündigen Gespräch mit Frau Hiller-Ohm kam dieses Verhalten dann auch zur Sprache. Ihre Antworten auf unsere Fragen stellten uns nicht immer zufrieden. „Das ist ganz normal. Während der Sitzungen und Reden muss man eben auch provozieren“, meinte sie, bezogen auf die Frage, ob die Zwischenrufe nicht störend seien. Auf unsere Frage, wieso sich die Abgeordneten während der Debatte unterhielten, antwortete Frau Hiller-Ohm: „Zwischen den Abgeordneten gibt es immer viel zu besprechen, und wenn man während der Sitzungswoche in den Ausschüssen arbeitet, dann hat man auch außerhalb der Sitzungen so gut wie keine Zeit, mal ein Wort zu wechseln. Das wird dann während der Plenarsitzungen nachgeholt.“

Die Lübecker Abgeordnete ging geduldig und im Rahmen der eng gesteckten Zeit umfassend auf unsere teilweise sehr kritischen  Fragen zur Rente mit 67, zu den schlechten Umfragewerten der SPD und zu den Hartz-IV-Regelsätzen ein, so dass wir doch einen Einblick in die Komplexität mancher Themen wie z.B. „Bildungsgutscheine für alle“ erhielten.


Auf dem Weg zur Kuppel

An dieser Stelle sei Frau Hiller-Ohm noch einmal gedankt, dass sie sich Zeit für uns genommen hat, zumal sie gleich im Anschluss an unseren Besuch eine Rede im Plenum über die Hartz-IV-Regelsätze halten musste.
Für uns gab es zum Abschied noch einen „Bundestagbeutel“, gefüllt mit Broschüren und Prospekten über verschiedene Themen, die mit Politik im Allgemeinen und dem Bundestag im Besonderen zu tun haben.



Wenn man den Reichstag besucht, darf natürlich ein Rundgang in der Kuppel nicht fehlen. Bei wolkenlosem Himmel genossen wir eine tolle Aussicht über das abendliche Berlin und wir konnten von ganz oben einen letzten Blick in den Plenarsaal werfen, wo Frau Hiller-Ohm am Rednerpult stand.


Das Kunstprojekt "Der Bevölkerung" im nördlichen Lichthof des Reichstagsgebäudes

Etwas erschöpft, aber durchaus zufrieden gingen wir zum Hauptbahnhof, mussten aber leider feststellen, dass die Deutsche Bahn ihren Anspruch auf Pünktlichkeit wieder einmal nicht einlösen konnte. Der ICE aus München, der uns nach Hamburg bringen sollte, hatte eine knappe Stunde Verspätung, die er nicht mehr aufholte, so dass wir erst gegen 23.00 Uhr in Hamburg und um 00.15 Uhr  in Lübeck waren.
Aber trotz dieser Verspätung am Ende war es ein sehr gelungener Ausflug, mit vielen neuen Eindrücken und neuen Erkenntnissen!


Jan Helge Kaben, 13s
28.11.2010



Fotos: © Sabine Jebens-Ibs und Susan Wessin





28/11/2010
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