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Die Ehemaligen Thomas-Mann-SchülerInnen in aller Welt
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Thomas-Mann-SchülerInnen in aller Welt

Anne-Kathrin schreibt aus Landrecies
Meine erste Zeit in Frankreich

Bonjour TMS!

Nun bin ich schon zwei Monate hier in Frankreich, genauer gesagt in Landrecies, einem 5000 Einwohner „großen“ Dorf direkt hinter der belgischen Grenze, in dem es nicht viel mehr als ein paar Bäcker, viele Kühe und ALDI  gibt, und ich muss sagen, dass die Zeit bisher echt rasend schnell vergangen ist. Gut, nicht die komplette Zeit, weil jetzt zum Beispiel in den Ferien, die ich fast hinter mir hab, da hab ich mich schon gelangweilt, weil wir eigentlich nix unternommen haben. Für die französischen Lehrer bedeuten Ferien nämlich irgendwie nicht Erholung, sondern eher noch mehr Arbeit und so haben sie uns mit Hausaufgaben zugeschüttet und ich hab mich in den Ferien hauptsächlich mit Hausaufgaben beschäftigen müssen.

Ansonsten ist es in der Schule eigentlich immer ganz lustig, weil die Leute hier total nett und aufgeschlossen sind. Die erste Zeit wehte beispielsweise die deutsche Nationalfahne vor der Schule und es ist jetzt nichts Außergewöhnliches mehr, dass wie Deutschen (wie sind hier zu viert, aber nur zwei andere außer mir bleiben auch sechs Monate) in das allmorgendliche Knutschritual miteinbezogen werden, bei dem wirklich jeder, auch wenn man denjenigen nur einmal kurz gesehen hat, seine Bisous abbekommt. Na ja, so beschäftigen sich die Franzosen halt morgens vor der Schule und das gleiche wird abends nach der Schule weitergeführt.

Da ich nicht mit meiner Corres, wie man hier sagt, in einer Klasse bin, war es für mich von Anfang an leichter Kontakte zu knüpfen, weil ansonsten wird halt schnell gesagt: „Ach, übersetz doch mal eben für deine Corres!“ Auch für das in Deutschland nicht wirklich immer harmonische Verhältnis zwischen meiner Corres und mir ist es ganz gut, dass wir uns eigentlich nur abends und am Wochenende sehen.

Die Schule ist hier komplett anders, denn die Stunden dauern 55 Minuten, Doppelstunden werden ohne Pause durchgezogen und man hat auch nachmittags noch Schule. Im Grunde genommen habe ich in Deutschland mehr Stunden, aber dadurch, dass die erste Stunde erst um halb neun beginnt, es nach vier Stunden eine einstündige Mittagspause in der Kantine gibt und die Stunden, wie gesagt, zehn Minuten länger sind, habe ich auch einmal die Woche bis halb sieben, ansonsten bis halb fünf Schule. Zeit für Hobbys bleibt da nur am Mittwochnachmittag, wenn keine Schule ist, und am Wochenende. Aber ich habe festgestellt, dass viele Franzosen sowieso keine Hobbys haben. Die leben wirklich für die Schule.

Im Unterricht ist es so, dass der Lehrer vorne steht, einen Monolog hält und die Schüler alle mitschreiben. Mündliche Beteiligung findet man höchstens im Sprachunterricht und auch dann reden die Franzosen so leise, dass man meist kein Wort versteht. Eigentlich zählen hier nur die Arbeiten und davon schreibt man dann umso mehr, das heißt so ein bis zwei am Tag sind schon normal.

Vor den Ferien bekommen die Eltern hier einen Brief mit allen Noten ihrer Kinder und auch, wenn man mal nicht in der Schule war, d.h. geschwänzt hat, bekommen die Eltern das sofort schriftlich mitgeteilt. Und das in allen Klassen stufen! Ich finde das wirklich ein bisschen übertrieben, aber man darf das Schulgelände hier auch ohne schriftliche  Erlaubnis der Eltern nicht verlassen.

Ich muss wirklich sagen, dass ich das deutsche Schulsystem hier gelegentlich vermisse, obwohl ich das niemals gedacht hätte, aber es ist doch schon ein Unterschied, ob man den Nachmittag frei hat oder nicht!

Am Anfang habe ich dank der langen Schultage wirklich täglich unter akuter Müdigkeit gelitten, aber inzwischen habe ich mich völlig daran gewöhnt und fühle mich fast schon heimisch. Es gibt allerdings eine Sache, mit der ich nicht so richtig klar komme: das Essen. Die Franzosen essen nämlich so gegen ein Uhr Mittag und dann aber erst um acht oder neun Abendbrot. Das ist einfach viel zu lange für einen deutschen Magen...

So, eigentlich hatte Frau Wessin mich gebeten einen kurzen Bericht zu schreiben, aber irgendwie ist der jetzt doch ein bisschen länger geworden und ich könnte noch stundenlang weiterschreiben, aber irgendwann muss ja auch mal Schluss sein und ich glaube, ich habe die wichtigsten Sachen herausgefiltert.

Viele liebe Grüße und bis bald
Eure

Anne-Kathrin (11. Jg.)
1. November 2005

 
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